Mazda-Prozess 2: Grazer „Befehlsempfänger“ packte aus
Graz (APA) - Noch am Vormittag war jener 56-jährige Grazer zu hören, der sich selbst als den österreichischen „Befehlsempfänger“ des in Deut...
Graz (APA) - Noch am Vormittag war jener 56-jährige Grazer zu hören, der sich selbst als den österreichischen „Befehlsempfänger“ des in Deutschland verurteilten PR-Leiters bezeichnete. Von ihm aus nahm das System mit den Scheinrechnungen gegen 2002 seinen Anfang. Erst machte er dem ehemaligen Mazda-Sprecher und langjährigen Freund nur eine Presseaussendung, es folgte das Angebot für weitere Aufträge.
Gleich beim ersten Treffen in der Mazda-Zentrale in Deutschland soll der frühere Sprecher den Grazer Agenturgeschäftsführer gefragt haben: „Was ist für mich drinnen?“, schilderte der Angeklagte. Es sei um Provisionszahlungen gegangen, er wollte zehn Prozent vom Auftragsvolumen. Der 56-Jährige willigte ein, weil er nach dem Tod seiner Frau in familiären und finanziellen Schwierigkeiten war und auf die tatsächlichen Aufträge von Mazda angewiesen gewesen sei.
„Er wollte aber nicht, dass es nach Freunderlwirtschaft aussieht, wenn er immer nur eine österreichische Agentur beauftragt“, erklärte der Beschuldigte vor Richter Helmut Wlasak. Daher holte der Grazer weitere befreundete Unternehmer ins Boot, die auch über Niederlassungen in Deutschland verfügten. Die Scheinrechnungssummen stiegen von Mal zu Mal: „Die schlussendliche Größenordnung war nicht absehbar“, rechtfertige sich der Geschäftsführer.
Bereichert habe sich der Grazer nicht, beteuerte er mehrmals. „Aber da sind Sie ja der Gelackmeierte. Was hatten Sie davon?“, fragte ihn Wlasak. „Ich hatte meine Aufträge. Hätte ich das nicht mehr gemacht, wäre ich draußen gewesen“, sagte der Beschuldigte. „Wenn das ein Freund war, war er ein berechnendes Drecksschwein. Das ist eine Riesensauerei“, bemerkte der Richter wörtlich, wunderte sich aber, warum der Angeklagte das zehn Jahre lang mitgemacht hatte: „Ein ganzes System unterstützt einen und keiner von euch hat sich bereichert?“ „Irgendwann schaltet ein Verdrängungsmechanismus ein. Außerdem hat die Kreativleistung, die tatsächlich erbracht werden musste, wirklichen Spaß gemacht“, antwortete der 56-Jährige.
Thema der Befragung waren auch die Mechanismen im Auto- und Motorjournalismus, mit dem der PR-Leiter aus Deutschland und auch teilweise die Grazer Beschuldigten Erfahrung gemacht hatten. „Wie ist das? Wer mehr schmiert, hat mehr Zeitungsartikel?“, wollte Wlasak wissen. Der Agenturgeschäftsführer meinte daraufhin: „Ich weiß, dass es Journalisten gibt, die mit Aufträgen versehen werden. Ich halte es für fraglich, ob der Motorjournalismus so wie jetzt weitergeführt werden kann. Ich finde ihn in der Form unanständig“, meinte der Grazer. Eigentlich sollten die Verlage für Recherchen zahlen und nicht die Autohersteller einladen, ergänzte er. „Wenn das so wäre, wäre so etwas nicht passiert“, sagte er.
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