Schweizer Einzelhandel trotz besserer Juni-Zahlen besorgt
Neuenburg (APA/sda) - Die Schweizer Einzelhändler haben im Jahresvergleich weiterhin mit Umsatzeinbußen zu kämpfen. Gegenüber Mai haben die ...
Neuenburg (APA/sda) - Die Schweizer Einzelhändler haben im Jahresvergleich weiterhin mit Umsatzeinbußen zu kämpfen. Gegenüber Mai haben die Umsätze im Juni zwar angezogen. Der Einzelhandel zeigt sich aber weiterhin besorgt. Vor allem das Geschäft mit Nicht-Nahrungsmitteln stehe unter Druck.
Die Schweizer Einzelhändler haben im Juni mehr umgesetzt als noch im Mai, wie provisorische Zahlen des Bundesamtes für Statistik (BFS) vom Montag zeigen. Einzelhandelsvertreter sehen das aber nicht als Zeichen der Hoffnung. Sie warnen davor, die Vormonatszahlen überzubewerten.
Der Umsatzzuwachs gegenüber dem Vormonat sei nicht aussagekräftig, da das Plus auch auf andere Effekte zurückgehen könne, sagte Patrick Marty, Mediensprecher der Interessensgemeinschaft Einzelhandel Schweiz, auf Anfrage. So hätten im Mai unter anderem die Pfingstfeiertage zu tieferen Umsätzen geführt.
Die Branche zeigt sich nach wie vor vor allem besorgt über den Umsatzrückgang mit Nicht-Nahrungsmittel-Artikeln wie Möbel, Spielzeug oder Kleider. Die Situation bleibe weiterhin angespannt, sagte Marty.
Zu schaffen macht den Einzelhändlern der starke Franken. Nach der Aufhebung des Euro-Mindestkurses im Jänner reagierten die Einzelhändler mit Preissenkungen, um mit den Preisen im nahen Ausland und auf Onlineverkaufskanälen mithalten zu können.
Seither spült insbesondere das Non-Food-Geschäft weniger Geld in die Kassen. Zwar kauften die Konsumenten im Juni gegenüber dem Vorjahresmonat real um 0,6 Prozent mehr Non-Food-Artikel als vor einem Jahr. Aufgrund der Preissenkungen setzten die Einzelhändler nominal aber um 2,3 Prozent weniger um. Insgesamt nahmen die Einzelhändler, Treibstoffe und Kalendereffekte ausgeklammert, um 1,9 Prozent weniger ein als noch vor Jahresfrist.
Positiv beurteilte Marty zwar die jüngste Abschwächung des Franken. Ein Euro kostete diese Woche zwischen 1,077 und 1,096 Franken und damit wieder mehr als in den Monaten unmittelbar nach der Euro-Mindestkursaufhebung. Dennoch bleibt der Einzelhandel vorsichtig. Ob dies eine nachhaltige Entwicklung sei, müsse sich noch zeigen, sagte Marty.
Auch Adrian Wyss, Geschäftsführer des Einzelhandelsverbandes Swiss Retail Federation, spricht von einer sehr angespannten und schwierigen Situation. Gerade kleinere und mittlere Einzelhändler seien stark unter Druck. Zahlreiche kleinere Läden hätten bereits geschlossen.
Im Nicht-Nahrungsmittelsektor sei dabei insbesondere auch der Onlinehandel ein zentraler Faktor. Dieser ermöglicht umfassende Preisvergleiche. Konsumenten könnten im Internet schnell das billigste Angebot für das gewünschte Produkt finden, erklärt Wyss. „Und irgendjemand ist immer billiger.“
Am Sonntag warnte auch Migros-Handelschef Dieter Berninghaus in einem Interview mit den Zeitungen „SonntagsZeitung“ und „Matin Dimanche“, die Situation sei dramatisch.
Neben dem Preisdruck macht den Einzelhändlern zudem der Einkaufstourismus zu schaffen. Dies zeigen Resultate einer kürzlich veröffentlichten Umfrage der Konjunkturforschungsstelle KOF der ETH Zürich. Die Einzelhändler gaben an, dass deutlich weniger Menschen in den Geschäften seien als vor einem Jahr und dass die Lagerbestände angestiegen seien. Das bedeutet, dass mehr unverkaufte Ware in den Lagern liegt.
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