Sergio Moro - Das Gesicht der Demonstrationen in Brasilien
Sao Paulo (APA/AFP) - „Es lebe Sergio Moro!“ - Im Kampf gegen die allgegenwärtige Korruption haben die Brasilianer einen Bundesrichter zu ih...
Sao Paulo (APA/AFP) - „Es lebe Sergio Moro!“ - Im Kampf gegen die allgegenwärtige Korruption haben die Brasilianer einen Bundesrichter zu ihrem Helden erkoren. Der 43-jährige Moro leitet zwei Strafprozesse im Zusammenhang mit dem Korruptionsskandal um den staatlichen Ölkonzern Petrobras.
Hunderttausende Brasilianer gingen an diesem Sonntag bei landesweiten Massenprotesten auf die Straße, um den Rücktritt der durch die gewaltige Schmiergeldaffäre in Bedrängnis geratenen Präsidentin Dilma Rousseff zu fordern. Neben Schildern mit der Aufschrift „Dilma raus!“ waren bei den Kundgebungen zahlreiche Huldigungen des Richters zu sehen. „Wir alle sind Sergio Moro“ oder „Die brasilianischen Bürger sind stolz auf Sie“, lauteten die Botschaften an den neuen Helden der Straße. Einige Demonstranten trugen T-Shirts mit dem Porträt Moros.
Er habe den Korruptionsskandal genau verfolgt, sagte der Demonstrant Jose Freitas, der bei der Kundgebung in Sao Paulo ein Plakat mit der Aufschrift „Sergio Moro, Brasilien ist mit Dir“ hochhielt. Der Richter sei „die Rettung für unser Land“, urteilte der 88-Jährige.
Andere Regierungsgegner sähen ihn sogar gerne im Präsidentenpalast. Von der Zeitung „O Globo“ wurde Moro zur Persönlichkeit des Jahres 2014 gekürt. „Ich bewundere den Richter, denn er nimmt es mit Leuten auf, die sehr viel Geld und Macht haben. Sie haben sicherlich versucht, ihn zu kaufen, aber er ließ sich nicht bestechen“, erklärte der Demonstrant Rubia Cravo Teixeira dos Santos.
Im Mittelpunkt des größten Korruptionsskandals in der Geschichte Brasiliens stehen neben Managern des Ölkonzerns Petrobras auch dutzende Politiker der regierenden Arbeiterpartei von Präsidentin Rousseff. Die Ermittlungen richten sich gegen mehrere frühere Kabinettsmitglieder, Gouverneure, Abgeordnete und Senatoren sowie die Chefs der beiden größten Baukonzerne Brasiliens.
Von 2004 bis 2014 sollen mehr als zwei Dutzend Firmen Schmiergelder an Petrobras gezahlt haben, um an lukrative Aufträge zu kommen. Der Ölkonzern zahlte den Ermittlungen zufolge ebenfalls Bestechungsgeld, unter anderem an Politiker. Mehrere frühere Manager wurden bereits zu Haftstrafen verurteilt.
Angesichts der Enthüllungen im Korruptionsskandal organisierten die Regierungsgegner seit Jahresbeginn bereits drei Massenkundgebungen, an denen jeweils Hunderttausende Menschen teilnahmen. Die Petrobras-Affäre sowie die lahmende Wirtschaft und die steigenden Lebenshaltungskosten ließen Rousseffs Zustimmungswerte in den ersten Monaten ihrer zweiten Amtszeit auf knapp acht Prozent sinken. Sie ist damit die unbeliebteste Staatschefin seit dem Ende der Militärdiktatur 1985.
Gegen Rousseff, die zwischen 2003 und 2010 dem Aufsichtsrat des Ölkonzerns vorsaß, oder ihren populären Vorgänger Luiz Inacio Lula da Silva wird zwar nicht ermittelt. Doch viele Brasilianer sind davon überzeugt, dass auch die beiden in den Skandal verwickelt sind. Rousseff selbst versicherte stets, keine Kenntnis von den Vorgängen gehabt zu haben.
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