"Bashir-Show"

Mit Satire gegen den Extremismus

Ahmed al-Bashirs TV-Show wird im jordanischen Amman aufgezeichnet. Das bringt auch auf YouTube Hunderttausende Klicks.
© Screenshot: YouTube

Todesdrohungen zum Trotz nimmt ein irakischer Komiker die Terrormiliz „Islamischer Staat“ in seiner TV-Show aufs Korn.

Amman –Ahmed al-Bashir hat keine Angst vor der jihadistischen Terrororganisatio­n „Islamischer Staat“ (IS): In seiner allwöchentlichen TV-Sendung überschüttet er den IS regelmäßig mit Hohn und beißendem Spott. Dabei lässt sich der Komiker auch von Todesdrohungen nicht beeindrucken. „Die IS-Führer halten sich für Heilige“, sagt er.

„Aber wenn man sich über sie lustig macht, fallen ihre Heiligenscheine, und sie sind wieder einfache Menschen. Deshalb denken sie, dass wir gefährlich sind für sie.“ Die Iraker danken es ihm: Millionen schalten jede Woche die „Bashir-Show“ ein, auch auf YouTube werden die Clips tausendfach geklickt.

Mit einer der berühmtesten Szenen nimmt der 30-Jährige das puritanische Image der Jihadisten aufs Korn: Zwei Männer mit falschen Bärten kommen in eine Bar und bestellen zwinkernd Orangensaft und – nach islamischem Gesetz erlaubtes – Halal-Wasser. Lächelnd serviert der Kellner zwei Gläser Alkohol. „Dies­e Runde geht auf den Kalifen, um den ersten Jahrestag der Besetzung Mosuls zu feiern“, ruft er, bevor eine Bombe ihn zu Boden reißt und den Toast auf IS-Führer Abu Bakr al-Baghdadi und die Eroberung der nordirakischen Stadt vereitelt.

Die „Bashir-Show“ strotzt vor Respektlosigkeiten. „Waffen sind nicht die beste Lösung“, betont al-Bashir in seinem Studio in Amman, Hauptstadt des benachbarten Jordanien. „Wir bekämpfen den IS mit Satire. Schließlich sind seine Mitglieder auch nur Menschen.“ Bashir arbeitete bis 2011 als Journalist für verschiedene irakische TV-Sender. Dann entkam er nur knapp einem Bomben­anschlag bei einem Festival im westirakischen Ramadi, bei dem sieben seiner Kollegen getötet wurden. Er beschloss, seine von Gewalt zerrissene Heimat in Richtung Jordanien zu verlassen.

„Wir machen uns über alles lustig, das schlecht ist in unserem Land, angefangen bei Regierungsvertretern, die Fehler begehen und ihren Job nicht richtig machen, über korrupte und schlechte Politiker, oder jene, die Religion für politische Zwecke missbrauchen, und schließlich über Extremisten, Sektierer und Milizen“, so al-Bashir.

In einem modernen Studio leitet er ein 24-köpfiges, vorwiegend irakisches Team. Seit er Witze über die IS-Kämpfer macht, die große Teile des Iraks und Syriens mit einem Terrorregime überziehen, wird er mit dem Tod bedroht: Nach jeder neuen Folge kämen Drohungen vom IS oder Anhängern der Jihadistengruppe, durch soziale Medie­n wie Twitter oder Facebook, aber auch mit der Post oder SMS. „Wir haben uns daran gewöhnt“, sagt al-Bashir.

Und lässt einen bärtigen IS-Komiker „Witze“ erzählen, während ein weiterer Bartträger mit Kalaschnikow aufpasst, dass alle lachen. „Wie hieß der erste Selbstmordattentäter, der sich in die Luft sprengte und ins Paradies kam? Er hieß Bum“, witzelt der Komiker. Ein Mann im Publikum lacht auf, woraufhin er erschossen wird. „Das war kein Witz. Das war ein Test“, belehrt der Komiker das Publikum. „Wie können wir lachen über das Martyriu­m eines Bruders?“

„Wir versuchen nur, die Iraker zum Lachen zu bringen, damit sie ihre Probleme für ein­e Weile vergessen“, begründet Bashir seine komödiantische Offensive gegen den IS. „Lachen ist das beste Mittel, die Völker der ganzen Welt zu vereinen. Wenn wir lächeln, sind wir Menschen.“ (APA, AFP)