Die schlimmsten Naturkatastrophen der vergangenen Jahre in Tirol
Vom Lawinenunglück in Galtür 1999 bis zu den Muren im heurigen Sommer: Eine Chronologie der schwersten Katastrophen in Tirol.
Immer öfter: „Derartige Ereignisse hat es immer schon gegeben. Etwa Mitte der 60er-Jahre oder 1987 im Ötztal“, sagt Siegfried Sauermoser, Chef der Wildbach- und Lawinenverbauung. Jedes Mal sprach man von Jahrhundertereignissen. Wenn man aber die kurze Zeit dazwischen anschaue, „20, 30 oder 40 Jahre, dann sind das ja keine Zeiträume“. Das zeigte sich auch in den vergangenen Jahren. Kaum eine Region blieb von Naturkatastrophen verschont. Hier nur einige davon.
1999 – Galtür: Der Winter war geprägt durch verheerende Lawinen, speziell im Zeitraum vom 21. bis 24. Februar. Am schlimmsten betroffen dabei war Galtür. Insgesamt starben 38 Menschen, 28 weitere wurden schwer verletzt. Zahlreiche Häuser wurden zerstört, das Paznaun tagelang von der Außenwelt abgeschnitten. Der Sachschaden betrug rund 150 Millionen Schilling. Eiblschrofen: Es war ein Samstag um 14.42 Uhr, als in Schwaz ein erstes lautes Rumpeln zu hören war. Nachdem sich an den Tagen zuvor immer wieder kleinere Felsblöcke vom Eiblschrofen gelöst hatten, kam es am 10. Juli 1999 zu einer Reihe von Felsstürzen. Insgesamt 150.000 m3 Gestein lösten sich aus der Felswand. Im Schwazer Ortsteil Ried wurden 286 Personen aus 55 Häusern evakuiert, 16 Betriebe vorübergehend stillgelegt. Kurz gab es in Pflach große Schäden beim so genannten Pfingsthochwasser.
Im November 2000 schoss eine Schlammlawine durch ein Haus in Osttirol – wie durch ein Wunder blieb eine ältere Frau und ihr Enkelkind unverletzt.
2002 – St. Johann: Im August 2002 traten in Österreich Katastrophenhochwasser extremen Ausmaßes auf. Dabei wurden in vielen Gebieten alle bisher gemessenen Niederschläge und Abflüsse überschritten. Davon blieb auch Tirol nicht verschont. Hier stand vor allem St. Johann (Bild links unten) im Zentrum. Der dabei entstandene Schaden wurde mit rund 6,5 Millionen Euro beziffert. Daraufhin wurden umfangreiche Schutzbauten angegangen.
2005 – gigantische Schäden: Zehn Jahre ist das Hochwasser vom 22. und 23. August mittlerweile her. Und wohl jeder Tiroler hat seine Erinnerung an die dramatischen Stunden. Im Oberland, Unterland und dem Außerfern gab es Schäden in Millionenhöhe. Innsbruck schlitterte knapp an einer Katastrophe vorbei.
2010 – Leisach: Am 20. Februar ereignete sich in Leisach ein riesiger Hangrutsch, das Material, rund 1 Mio. Kubikmeter Material, staute die Drau auf und überschüttete die Landesstraße mehrere hundert Meter. Drei Wochen dauerte es, bis die Drau wieder in ein provisorisches Bett geleitet wurde.
2012 – Virgen: Am 4.8. wälzte sich eine riesige Mure durch das Dorf, zerstörte Häuser, riss Brücken weg, unterbrach die Stromversorgung. Der Firschnitzbach wurde regelrecht ausgehoben und das ganze Ma- terial verteilte sich über das Dorf.
2013 – Felbertauern und Kössen: Im Mai zerstört am Felbertauern ein Felssturz eine der wichtigsten Nord-Süd-Verbindungen. Rund 35.000 Kubikmeter Geröll und Fels waren auf die Straße gestürzt. Dabei wurde die Lawinengalerie auf einer Länge von 95 Metern zerstört. Heute, mehr als zwei Jahre später, wird die neue Trasse für den Verkehr freigegeben. Denkt man an Hochwasser in Tirol, denkt man auch an Kössen (Bild links). Der 2. Juni 2013 steht für Hunderte evakuierte Menschen, schwer beschädigte Häuser – aber auch für eine Welle an Hilfsbereitschaft und Solidarität. Allein in Kössen – im ganzen Land gab es Schäden – zählte man 380 beschädigte Objekte und 1000 Betroffene.
2015 – Sellrain und See: Die Bilder gleichen einander. Die Katastrophe von See und Sellrain ist allen Tirolern noch in leidvoller Erinnerung. Tausende Feuerwehrmänner, Soldaten und Freiwillige helfen, um die Schäden an Häusern, Straßen und Verkehrsflächen zu beseitigen – nur langsam kehrt Normalität ein.