Von Doping bis Korruption

Die 10 Sünden der Sportverbände

Witzfigur Sepp Blatter? Der Präsident des Weltfußballverbands gilt als Prototyp des zwielichtigen Funktionärs im Sportgeschehen.
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Am Samstag wird die Leichtathletik-WM in Peking eröffnet. Ein Großereignis, das nicht nur für die Elite im Weltsport steht, sondern auch sinnbildlich für die Verfehlungen eines Verbands im Hintergrund.

Von Florian Madl

Innsbruck – Das Internationale Olympische Komitee (IOC) will seinen Selbstreinigungsprozess bereits durchgeführt haben, der Weltfußballverband FIFA steht am Anfang, der Weltradverband steckt mittendrin. Warum es Sportverbände bislang nicht schafften, für Transparenz zu sorgen, und über welche Hürden die Funktionäre stolpern – eine Auflistung der Sünden:

1.) Dopingbekämpfung

Der Prügelknabe Radsport zeigt, wie tatenlos man der unerlaubten Leistungssteigerung gegenüberstehen kann. Die jüngsten an Kenias und vor allem Russlands Leichtathleten gerichteten Vorwürf­e offenbaren den Unwillen bzw. die Unfähigkeit anderer Verbände. Einschlägig vorbelastete Mediziner und Trainer wie Valentin Maslakow werden an der Medaillenanzahl gemessen, nicht an der Transparenz ihrer Arbeit. Und Sportminister Witali Mutko fordert zwar „Konsequenzen“, vermutet im Hinblick auf die bevorstehende Fußball-WM 2018 aber allerhand Verschwörungstheorien.

2.) Wahlverfahren

Schon in den Jahren 1998 und 2011 stand die Wahl des FIFA-Präsidenten Joseph Blatter in keinem guten Licht: Einmal ging es um Stimmenkauf im Vorfeld, einmal um eine gezielte Kampagne, was den Gegenkandidaten anbelangt. Der Schweizer hatte das Wahlrecht zudem in einer Weise beeinflusst, dass auch vermeintlich kleinen Verbänden und Nationen unverhältnismäßig viel Stimmrecht zugestanden wird. Kein Einzelfall übrigens: Der Senegalese Lamine Diack, seit 1999 Präsident des Internationalen Leichtathletikverbandes (IAAF), wurde 2011 unter dubiosen Umständen wiedergewählt. Es gab keinen Gegenkandidaten. Und im ersten Wahlgang tauchten mehr Stimmen auf, als Delegierte anwesend waren ...

3.) Korruption

Die FIFA hatte ihren Skandal, das Internationale Olympische Komitee auch. Stipendien für die Sprösslinge einflussreicher Funktionäre wurde in der Vergangenheit bereits wahlentscheidender Charakter zugen. Der Arm der Großsponsoren reicht weit, bisweilen ausufernd weit. Auch Leichtathletik-Präsident Diack hat Dubioses auf seinem Kerbholz, einmal kam er mit einer Verwarnung der IOC-Ethik­kommission davon.

4.) Anachronismus

Die wenig zuschauerfreundlichen Formate von Weltsportarten beschleunigen die Abwärtsentwicklung. Das haben die zwei Kandidaten um den Posten des neuen Leichtathletik-Präsidenten, Sergej Bubka und Sebastian Coe, auch fest in ihrem Wahl­programm verankert.

5.) Austragungsstätten

Das IOC legte in seinem Reformpapier Agenda 2020 einen neuen Kurs fest – vor allem autokratische Staaten kommen mittlerweile häufig zum Zug. Stichwort Peking, Ausrichter der anstehenden Leichtathletik-WM: Bereits 2008 fanden dort Sommerspiele statt, 2022 die Winterspiele. Eine willfährige Regierung, die allerhand Budget bereitstellt, galt zuletzt als gute Voraussetzung bei einer Bewerbung.

6.) Alterslimit

Die Weltverbandspräsidenten der Schützen (Olegario Vázquez Raña/79), Eisläufer (Ottavio Cinquanta/76), Turner (Brun­o Grandi/80) und Schwimmer (Julio César Maglione/79) halten sich im Sattel. Leichtathletik-Präsident Lamine Diack will morgen mit 82 den Sessel räumen.

7.) Kooperation

Es gibt sie, die zentrale Dachorganisation der Sportverbände dieser Welt. Insgesamt gehören der Sportaccord 109 Organisationen an, doch für Unabhängigkeit steht deren Präsident Marius Vizer nicht. Der Putin-Ziehsohn hat allerhand Ideen wie eine Sport-Weltbank, eine wahre Zusammenarbeit scheint nicht gewährleistet: Allein die Terminisierung der Fußball-WM 2022 in Katar (Weihnachten) brüskiert den Wintersport.

8.) Budgetgebarung

Die Fälle der Veruntreuung reichen vom Österreichischen Behindertensport bis zum Weltfußballverband, die Buchhaltung stammt vielerorts aus den Zeiten des Rechenschiebers – im Sport wurde die Bedeutung einer professionellen Finanzwirtschaft nicht überall erkannt.

9.) Vetternwirtschaft

Leichtathletik-Präsident Lamin­e Diack versorgt seine Familie gerne mit wichtigen Posten, sein Sohn Papa Diack etwa war im Team der russischen Olympiabewerbung für Sotsch­i und betreibt eine lukrative Marketingagentur, die in engem geschäftlichen Verhältnis mit dem Internationalen Leichtathletikverband steht. Und der Schwiegersohn von Ex-FIFA-Präsident João Havelange steht für einen Korruptionsskandal.

10.) Spesenrittertum

Bei Olympia 2010 in Vancouver geriet selbst Russlands Sportminister Witali Mutko unter Druck. Nach Angaben des nationalen Rechnungshofes rechnete er Frühstücksgutscheine in einem Luxushotel für 3600 Euro ab. Die Spitze eines Eisbergs von Annehmlichkeiten.