Terror in Thailand

Polizei: Gleiche Täter wollten am Dienstag zweiten Anschlag verüben

Die Fahndung nach den Tätern läuft in Thailand auf Hochtouren.
© APA/EPA/DIEGO AZUBEL

Auch ein zweiter missglückter Bombenanschlag in Bangkok am Dienstag – ein Mann wollte eine Rohrbombe in eine Menschenmenge werfen – soll auf das Konto derselben Täter gehen wie das verheerende Attentat am Erawan-Schrein.

Bangkok - Nach den beiden jüngsten Bombenanschlägen in Thailands Hauptstadt Bangkok gehen die Ermittler von einem direkten Zusammenhang zwischen den Attentaten aus. Untersuchungen der Bombenüberreste deuteten darauf hin, dass die Sprengsätze von denselben Tätern hergestellt worden seien, sagte Polizeichef Somyot Pumpunmuang am Dienstag laut der Zeitung „Bangkok Post“.

Auch Ausländer beteiligt?

Ein zweiter Sprengsatz war am Dienstag in einem Fluss detoniert, ohne dass jemand zu Schaden kam. Nach einem Verdächtigen wurde mit Bildern gefahndet. In beiden Sprengkörpern wurden laut dem Polizeichef Spuren von TNT gefunden, das mit einem Zeitzünder versehen in ein Rohr gestopft worden war. Somyot geht nach eigener Aussage davon aus, dass mehr als eine Person für die Taten verantwortlich ist, und dass sowohl Thailänder als auch Ausländer beteiligt waren.

Der Polizeichef bestätigte dem Zeitungsbericht zufolge, dass am Flughafen Suvarnabhumi kurzzeitig ein Ausländer von der Polizei festgehalten wurde, der einem jungen Mann ähnelt, der auf Bildern aus einer Überwachungskamera in der Nähe des ersten Anschlagsorts zu sehen war. Seine Identität werde jetzt geprüft, hieß es. Er dürfe das Land zunächst nicht verlassen.

Der Mann im gelben Shirt hatte offenbar seinen Rucksack kurz vor der Explosion am Erawan-Schrein zurückgelassen.
© Reuters

Ein junger Mann mit Rucksack war in der Nähe des Tatorts gefilmt worden und hatte sich wenig später ohne Gepäck entfernt, wie die Armeeführung am Dienstag nach Auswertung der Überwachungsaufnahmen mitteilte. Er trug den Angaben zufolge ein auffälliges gelbes T-Shirt und mischte sich am Erawan-Schrein direkt an der wichtigsten Einkaufsmeile Bangkoks unter Dutzende Einheimische und Touristen. Auf den grobkörnigen Aufnahmen war nicht klar zu erkennen, ob es sich um einen Thailänder oder einen Ausländer handelte.

Regierungschef Prayuth Chan-ocha sprach nach der ersten Explosion am Montagabend vom schwersten Anschlag in der Geschichte Thailands. Im Zentrum der Millionenmetropole waren 20 Menschen getötet und mehr als 120 verletzt worden.

Attentäter verfehlte Ziel

Am Dienstag folgte dann ein zweiter Anschlag an einem belebten Ausflugspier am Fluss Chao Praya. Ein Unbekannter habe eine Rohrbombe in die Menschenmenge schleudern wollen, sein Ziel aber verfehlt, sagte ein Polizeisprecher. Der Sprengsatz sei im Fluss gelandet und explodiert. An dem Pier legen Ausflugsboote für Fahrten zu den Touristenattraktionen ab. Am Fluss liegende Luxushotels holen dort mit kleinen Schiffen ihre Gäste ab.

Zu den Taten bekannte sich zunächst niemand. Spekulationen über die Drahtzieher reichen von muslimischen Separatisten aus dem Süden des Landes über Kritiker der Militärregierung bis zu den in China verfolgten Uiguren, von denen Thailand vor kurzem mehr als 100 in ihre Heimat abgeschoben hat.

„Noch zu früh, um über Verantwortliche zu diskutieren“

Verantwortlich seien „Einzelpersonen oder Gruppen, die die Absicht haben, Thailand zu schaden“, sagte Prayuth in einer im Fernsehen übertragenen Ansprache. „Sie wollen unsere Wirtschaft und den Tourismus zerstören.“ Der stellvertretende Regierungssprecher Werachon Sukhondhapatak sagte, es sei „noch zu früh, um über die Gruppe zu spekulieren, die dafür verantwortlich sein könnte“.

In Bangkok seien 1.160 zusätzliche Sicherheitskräfte im Einsatz, sagte Prayuth. Nach Angaben der Touristenbehörde wurden die Patrouillen vor allem rund um die Touristenattraktionen verstärkt, auf den Straßen waren deutlich mehr Beamte zu sehen. Auch am Flughafen wurde nachgerüstet, ohne dass die Behörden Einzelheiten dazu nannten.

Unter den Toten waren mindestens fünf Thailänder, vier Chinesen, zwei Malaysier und eine Singapurerin. Das britische Außenministerium teilte mit, eine in Hongkong lebende Frau mit britischer Staatsbürgerschaft sei umgekommen. (APA/dpa)