Rekordzeit: Osttiroler Lakata ist der 6-Stunden-Mann von Leadville
Als erster Athlet fuhr der Osttiroler Alban Lakata das 100-Meilen-Rennen von Leadville (USA) unter sechs Stunden. Der 36-jährige Weltmeister holt den Sieg auf der Zielgeraden – und krönt damit seine beste Saison.
Von Roman Stelzl
Leadville –Irgendwo im Nirgendwo der schier endlosen Rocky Mountains taucht an diesem Samstag am Horizont ein Tiroler auf seinem Mountainbike auf. Vor ihm liegt Leadville, der vergessene Traum einer Goldrausch-Generation. Hinter ihm verschwindet eine imposante Berglandschaft, in der sich keiner verirren will. Fast 100 Meilen oder 160 Kilometer hat Alban Lakata jetzt in den Beinen. Einmal quälte sich der 36-Jährige auf 3844 Höhenmeter – knapp höher als der Großglockner – dann ging es wieder auf 2800 Meter runter, quasi zum Luftholen. Der Marathon-Weltmeister fuhr die ganze Strecke zwar bedacht, aber stets am Limit. Und als nun Leadville auftaucht, als der gelernte Ofenbauer auf Rang zwei in der US-Stadt einfährt, rechnet keiner damit, dass er hier noch gewinnt. Lakata inklusive.
Vor dem Osttiroler strampelt der Tscheche Kristian Hynek, Lakatas Teamkollege bei Topeak-Ergon. Er fährt seinem ersten Sieg beim legendären US-Radmarathon entgegen. Der Führende hatte sich am letzten wichtigen Anstieg abgesetzt, lag danach bereits zwei Minuten voran. Ehe er langsamer wurde. Immer mehr und mehr. Fast 160 Kilometer hatte Hynek durchgehalten, fuhr vorne mit. Jetzt ist der Akku leer. Km/h um km/h purzeln vom Tacho herunter, während Lakata zusieht – und eine zweite Luft bekommt. Er tritt noch einmal an und landet elf Sekunden vor dem komplett erschöpften Hynek auf Rang eins und feiert nach 2012 und 2013 den dritten Sieg beim Radklassiker „Leadville 100“.
Lakata jubelt – aber wäre dann nicht „Sub six“, der große Ritt unter sechs Stunden, der seit Jahren das Ziel hier ist. Allen voran für Rekordhalter Lakata (6:04:01), der in seiner Top-Form nach dem WM-Titel im Grödnertal (ITA) ankündigte: „Ich bin hier, um unter sechs Stunden zu fahren.“ Der erste Blick auf die Anzeigetafel: 6:00:02 Stunden. Ein Fehler, wie Lakata anhand seiner GPS-Aufzeichnungen reklamiert. Nach einigem Hin und Her folgt die offizielle Korrektur: 5:58:35. Rekord.
„Ich bin sprachlos, es hat heute alles gepasst“, meinte der Lienzer, der sich zwei Wochen hier in Colorado vorbereitet hatte. Lakata hatte Rekord und Sieg schon abgeschrieben, als er Hynek eingehen werden sah. „Ich habe nichts mehr gespürt. Es war unglaublich“, beschrieb es der beflügelte Lakata, der mit 36 Jahren die stärkste Saison seiner Karriere krönt. Irgendwo in den Weiten der Rocky Mountains. Als Weltmeister. Und als (knapp) erster 6-Stunden-Mann von Leadville.
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