Archäologen legten weitere Teile von „Tiroler Troja“ frei

Telfs (APA) - Innsbrucker Archäologen haben weitere Teile einer prähistorischen Siedlung am Gföllbichl bei Mösern im Gemeindegebiet von Telf...

Telfs (APA) - Innsbrucker Archäologen haben weitere Teile einer prähistorischen Siedlung am Gföllbichl bei Mösern im Gemeindegebiet von Telfs (Bezirk Innsbruck-Land) freigelegt. Die jüngsten Ausgrabungen bestätigten, dass die als „Tiroler Troja“ bezeichnete Siedlung vor rund 2.500 Jahren mit brutaler Gewalt erobert und vollständig zerstört wurde, teilte die Gemeinde Telfs in einer Aussendung am Dienstag mit.

Bei der vor Kurzem zu Ende gegangenen heurigen Grabungskampagne stießen die Archäologen unter anderem in einem Gebäude auf der Hügelkuppe auf menschliche Skelettreste. Offenbar handelt es sich dabei um einen männlichen Jugendlichen, der hier um das Jahr 500 vor Christus in den Trümmern des zerstörten Hauses starb und unbestattet liegen blieb, hieß es. Unter anderem wurden bei der Ausgrabung ein Teil des Unterkiefers, des Beckens, des Steißbeins sowie Finger- und Fußknochen und mehrere Rückenwirbel entdeckt.

Laut dem technischen Grabungsleiter Christoph Baur deutet alles darauf hin, dass der etwa 14-Jährige im brennenden Haus starb, als das Dorf von den äußerst brutal vorgehenden Angreifern erobert wurde. „Das Gebäude ist abgebrannt und eingestürzt, wir haben verkohlte Balken gefunden. Die Trümmer wurden dann offenbar systematisch nach Wertgegenständen durchsucht. Und danach hat man alles planiert. Anscheinend sollten das Dorf und die Erinnerung daran komplett ausgelöscht werden“, erklärte Baur.

Das Ausmaß der Zerstörung sei auch daran abzulesen, dass die Skelettteile im Haus verstreut gefunden wurden. Den Bewohnern dürfte es nicht möglich gewesen sein, den Toten ordnungsgemäß zu bestatten. Dies sei aber den damaligen Menschen sehr wichtig gewesen. „Vielleicht wurden sie alle vertrieben, versklavt oder getötet - das wissen wir nicht“, erläuterte der Archäologe: „Nach der Zerstörung wurde hier auch nie wieder gesiedelt.“

Dass versucht wurde, die Spuren des vorgeschichtlichen Gewaltexzesses zu beseitigen, deute darauf hin, dass Opfer und Täter sich kannten, meinten die Experten. Der Überfall dürfte nicht von durchziehenden Horden verübt worden sein, sondern möglicherweise von Nachbarn. Es sieht so aus, als hätte hier eine Gruppe die andere vernichtet.

Interessante Ergebnisse habe auch der zweite Grabungsbereich am Gföllbichl, unterhalb der Hügelspitze geliefert. Dort vermuten die Wissenschafter ein Grab. Unter einer großflächigen Steinschicht stießen sie auf Mauern und Pflasterungen, die vielleicht eine Grabkammer bildeten. Menschliche Überreste - etwa verbrannte Knochenteile und Asche vom Scheiterhaufen - seien dort allerdings noch nicht aufgetaucht. Dafür kamen neben eisernen Pfeilspitzen in beiden Grabungsabschnitten auch heuer zahlreiche kleinere, aber aussagekräftige Fundstücke zutage. Unter anderem etwa Metallbruchstücke, eine Fibel (Gewandnadel), Wagenteile, ein Spinnwirtel, ein bearbeitetes Hirschgeweih und vor allem Keramikscherben. Alle Objekte stammten aus derselben Epoche, nämlich vom Übergang der älteren zur jüngeren Eisenzeit um ca. 500 vor Christus. Laboruntersuchungen sollen weitere interessante Aufschlüsse bringen.