Urheberschutz für Sultanahmet Fleischlaibchen in Türkei
Istanbul (APA) - Der Name und die Rezeptur der berühmten, seit 1920 unter dem Namen „Sultanahmet Köftecisi“ vertriebenen Fleischlaibchen sin...
Istanbul (APA) - Der Name und die Rezeptur der berühmten, seit 1920 unter dem Namen „Sultanahmet Köftecisi“ vertriebenen Fleischlaibchen sind nun nach einem Gerichtsurteil geschützt. Die türkische Restaurantkette „Sultanahmet Köftecisi“ hat einen Plagiatsprozess gegen ein Unternehmen der schwergewichtigen Yildiz Holding gewonnen.
Laut Gerichtsurteil darf die türkische Firma Kerevitas ihre Tiefkühl-Fleischlaibchen nicht mehr unter dem Namen „Sultanahmet Köftecisi“ produzieren und vertreiben. Ein Istanbuler Gericht hat dem Original kürzlich mit einstweiliger Verfügung recht gegeben. Kerevitas ist ein Tochterunternehmen des türkischen Lebensmittelriesen Ülker, der zum Imperium der milliardenschweren Yildiz Holding gehört.
Kerevitas hätte die Produkte aus den Regalen der Supermarktketten entfernen lassen müssen. Dies sei aber nicht geschehen, so Restaurantchef Mehmet Tezcakin. Tezcakin hat laut eigenen Angaben eigenhändig monatelang in den Regalen von Supermarktketten Detektiv gespielt und „Beweise“ eingesammelt, bevor er neuerlich vor Gericht zog. Ein Urteil hat jetzt entschieden, dass die Tiefkühlplagiate beschlagnahmt werden sollen.
Auch gegen die widerrechtliche Reklame unter dem Namen „Sultanahmet Köftecisi“ will Tezcakin nun strafrechtlich vorgehen. Seine Fleischlaibchen bestünden aus hundert Prozent Kalbfleisch, die Konkurrenz mische hingegen immer wieder Lammfleisch und Knochen in die Fleischmasse. Sie würden den fast hundert Jahre unveränderten Geschmack verwässern, betonte er und droht den Plagiatunternehmen mit Entschädigungsklagen.
Der streitbare Restaurantchef hat in der Vergangenheit bereits an die hundert Plagiatsprozesse im Kampf um seine originalen Fleischlaibchen geführt. „Sultanahmet Köftecisi“ zählt zu den beliebtesten und am häufigsten verwendeten Namen in der Türkei, wenn es um den Verkauf des traditionellen Fleischgerichts geht.
Die meisten Gerichtsverfahren soll der umtriebige Sammler von Geldscheinen aus osmanischer Zeit gewonnen haben, schreibt die Tageszeitung „Milliyet“. Zuletzt gewann er gegen einen Betrieb im Istanbuler Nobelbezirk Nisantasi, der sich ebenfalls als Restaurant den Namen „Sultan Ahmet Köftecisi“ einverleibte.
Der jahrelange Urheberstreit um das Original der „Sultanahmet Köftecisi“ hat einen gewichtigen finanziellen Hintergrund. Der Markt der Köfte-Plagiate wird auf 100 Mio. Lira (31,6 Mio. Euro) geschätzt. Die Marke „Sultanahmet Köftecisi“ im gleichnamigen Stadtviertel von Istanbul gehört zu den Touristenattraktionen und ist in beinahe jedem Reiseführer zu finden. Das Stammlokal befindet sich in nur einige Gehminuten von der Hagia Sophia und der blauen Moschee entfernt.
Selbst der jetzige Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hat sich als Liebhaber der „Sultanahmet Köftecisi“ erwiesen. Für seine Besuche im Restaurant ließ er das touristische Stadtviertel in der Bosporus-Metropole in der Vergangenheit für ein zwei Stunden abriegeln, um in Ruhe seine Sultan-Fleischlaibchen zu verzehren.
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