Unfallserie in Reutte: Traurige Bilanz auf der Straße
Eine Serie von schweren Unfällen mit Toten und Schwerverletzten innerhalb von 14 Tagen auf einem nur sechs Kilometer langen Straßenstück im Außerfern macht betroffen.
Innsbruck, Reutte –Zwei Tote. 19 Schwerverletzte. Das alles innerhalb von 14 Tagen auf einer Strecke von knapp sechs Kilometern. Erschreckende Zahlen aus dem Außerfern. So erschreckend wie der jüngste Unfall in der Serie – bei dem gestern ein 51-jähriger Autofahrer aus Sindelfingen in Deutschland unter besonders tragischen Umständen starb.
Der 13-jährige Sohn des Mannes wurde bei dem Unglück lebensgefährlich, sein zweiter Sohn (20) schwer verletzt. Der Lenker selbst hatte keine Chance, das Unglück zu verhindern. Ein Lkw mit Teilen für ein Fertighaus in Pinswang hatte mit dem Hänger die Böschung gestreift und war dann auf die Gegenfahrbahn geraten. Dort rammte er zunächst einen Pkw aus Tirol, ehe der Anhänger frontal das Auto des Deutschen erfasste. Die genaue Unfallursache wird noch erhoben.
Ein 15 Kilometer langer Stau bis ins Lechtal war eine der Auswirkungen der Straßensperre für die Berge- und Aufräumarbeiten. Der Großeinsatz der 27 Feuerwehrmänner aus Reutte, die alle mit Piepser von der Arbeit gerufen wurden, dauerte insgesamt sieben Stunden. Zuletzt musste auch der Anhänger umgeladen werden.
Zusammenhänge zwischen den Unfällen auf der Fernpassstraße sind laut Polizei keine ersichtlich. Zwar wird der Katzenberg immer mehr zur Engstelle, seit sich Tausende Gäste von der Hängebrücke kommend mit Pkw in den Fließverkehr der B 179 zurückzureihen versuchen. Aber zu den vorausgegangenen Unfällen führten etwa hohe Geschwindigkeiten oder Sekundenschlaf. Mit der Brücke hatte das nichts zu tun.
34 Menschen starben heuer bereits auf den Tiroler Straßen. Im Vergleich zum Vorjahr, wo es im gleichen Zeitraum 20 Todesopfer waren, eine enorme Steigerung, wie der Verkehrsclub Österreich betont. Im Bezirk Reutte gab es im gesamten Vorjahr zwei Verkehrstote, heuer schon acht. Doch die Zahlen aus dem Vorjahr sind für die Tiroler Verkehrspolizei nur bedingt gültig. 2014, so erklärt der Leiter der Abteilung, Markus Widmann, könne als Referenz nicht herangezogen werden. „Das Vorjahr war mit insgesamt 30 Verkehrstoten ein außergewöhnliches Jahr mit besonders wenigen tödlichen Unfällen. Wenn wir die Zahlen der Jahre zuvor hernehmen, dann ist 2015 durchaus im langjährigen Schnitt.“
Warum also so wenige Unfälle im Vorjahr, so viele im laufenden Sommer? „Das hat immer viele Faktoren. Wir führen es auch auf das Wetter, den gestiegenen Ausflugsverkehr und dadurch auch gestiegene Unfallzahlen bei Motorrädern zurück“, erklärt Widmann, der aber nicht verheimlicht, „dass wir uns natürlich immer solche Werte wünschen würden“.
Tatsächlich gab es 2013 bis zum 18. August 32 Verkehrstote in Tirol, 2012 verloren im selben Zeitraum 28 Menschen auf den Straßen ihr Leben. Widmann erklärte, dass man bei schweren Unfällen sehr genau den Hergang rekonstruiere, um vielleicht Maßnahmen ableiten zu können. „Doch diese baulichen Eingriffe gibt es immer seltener. Wir haben zuletzt auch keine Auffälligkeiten registriert.“ Auch die Unfallserie im Außerfern werde man sich anschauen. Es gebe aber auch einfach Unfälle, die weder durch bauliche Maßnahmen noch stärkere Polizeikontrollen verhindert werden könnten.
Fritz Gurgiser übte nach dem Unfall einmal mehr Kritik am „Transit-Wahnsinn“ über den Fernpass, der für „internationalen Schwerverkehr ungeeignet ist“. (hm, mw)