Flüchtlinge - Zelte in Athener Parks und ein Schiff als Notunterkunft

Athen (APA) - Die lange vor allem auf die griechischen Inseln konzentrierte Flüchtlingskrise, erreicht zunehmend auch Athen. Eine steigende ...

Athen (APA) - Die lange vor allem auf die griechischen Inseln konzentrierte Flüchtlingskrise, erreicht zunehmend auch Athen. Eine steigende Zahl von Asylwerbern hat in den vergangenen Tagen in öffentlichen Parks Zeltlager errichtet. Nach UN-Angaben sind seit Jahresbeginn mehr als 120.000 Hilfesuchende in Griechenland gekommen. Auf Kos wurde unterdessen ein Fährschiff zum Flüchtlingszentrum umfunktioniert.

Im Park „Pedion tou Areos“ haben bis zu 900 Flüchtlinge (unter ihnen auch 180 Minderjährige und einige Kinder) etwa 80 Zelte aufgeschlagen und warten auf Hilfe. Diese kommt nicht zuletzt von den griechischen Bürgern, obwohl sie selbst mit der Krise hadern. Mehrere Solidaritätsbewegungen versorgen die Flüchtlinge regelmäßig mit Nahrungsmitteln. Nach Daten der NGO „Solidarität für Pedion Areos“, wurden für die Flüchtlinge unter anderen über 5.500 Portionen Essen und mehr als 300 Liter Tee zubereitet.

Die Zentrale der Initiative am Exarchia Platz ist voll mit Kleider und Nahrungsmitteln, die von Einheimischen abgegeben wurden. Einige Flüchtlinge versuchen, bei der Asylbehörde in Athen einen Antrag auf Familienzusammenführung zu stellen, um zu ihren Angehörigen in anderen europäischen Ländern weiterreisen zu können. Doch die Behörde ist nach wie vor vollkommen überlastet. Wer einen Termin vereinbaren will, muss über den Onlinetelefonanbieter Skype versuchen, zur Asylbehörde durchzudringen. Die Chancen stehen schlecht, denn häufig ist die Skype-Kapazität überlastet.

In der Zentrale von „Solidariät für Pedion Areos“ waren 295 Flüchtlinge offiziell registriert. Sie wurden mittlerweile in ein Aufnahmezentrum überstellt. Die stellvertretende Innenministerin, Tasia Christodoulopoulou, die auch die Agenden für die Migrationspolitik über hat, will neue Aufnahmezentren schaffen.

Als Beispiel gilt jenes in Eleona, im Westen Athens , wo vorerst 207 Flüchtlinge angesiedelt wurden. „Ich denke, dass dieser Ort ein Modell für andere ähnliche Orte in Griechenland darstellt, die Flüchtlinge aufnehmen“, sagte Christodoulopoulou. Die Kosten werden mit knapp einer Million Euro taxiert.

Es gibt aber auch innovative Ideen. Mindestens 1.166 Flüchtlinge sind auf der griechischen Ägäisinsel Kos an Bord des Schiffes „Eleftherios Venizelos“ gegangen. Sie sollen aber nicht fortgebracht werden. Das Schiff war am Freitag im Hafen der Ferieninsel vor Anker gegangen und soll bis zu 2.500 Flüchtlingen für etwa zwei Wochen eine provisorische Unterkunft bieten. Aus Sicherheitsgründen wird die „Eleftherios Venizelos“ von Polizisten bewacht.

Das UN-Flüchtlingshochkommissariat (UNHCR) spricht von einer humanitären Flüchtlingskrise in Griechenland. Alleine in der vergangenen Woche erreichten 21.000 Schutzsuchende Griechenland, so die Schätzungen von UNHCR. Viele von ihnen landen nach riskanten Überfahrten in meist seeuntauglichen Booten auf Kos, Rhodos oder Lesbos. Im gesamten Juli waren es knapp 50.000 bis 55.000.

Griechenland sei das europäische Mittelmeerland, in dem 2015 bisher die meisten Bootsflüchtlinge registriert worden seien, sagte der Sprecher des Hilfswerks UNHCR, Adrian Edwards bereits Ende Juli in Genf. Knapp 60 Prozent der Flüchtlinge kommen aus dem Kriegsgebiet in Syrien. Im ersten Halbjahr sind den Angaben zufolge heuer bereits 124.000 nach Griechenland gekommen. Das entspricht einer Steigerung von über 750 Prozent gegenüber dem gleichen Zeitraum im Jahr 2014.