Film und TV

Boxen als Wille und Hoffnung

Jake Gyllenhaal als Weltmeister Billy Hope vor seinem Rechtsausleger, was beim Boxen „Southpaw“ heißt.
© Constantin

Jake Gyllenhaal rettet mit seiner körperlichen Präsenz Antoine Fuquas Boxerfilm „Southpaw“, der ursprünglich für den Rapper Eminem geschrieben worden war.

Von Peter Angerer

Innsbruck –Während die meisten US-amerikanischen Boxerfilme mit einer breiten Erzählung des Aufstiegs eines Kampfsportlers aus desolaten Verhältnissen beginnen, erledigt Antoine Fuqua in „South­paw“ die biografischen Details des Weltmeisters im Halbschwergewicht mit einer Dialogzeile.

„Ich komme aus Hell’s Kitchen“, sagt Billy Hope (Jake Gyllenhaal) bei der Pressekonferenz nach der erfolgreichen Verteidigung seines mit Gold und Edelsteinen verzierten Gürtels. Dieser Hinweis erklärt zudem seinen Boxstil. Hope ist ein Schläger, der den Schmerz ertragen kann. Er hält seinen Gegnern das Gesicht entgegen, bis sie vom Einschlagen müde werden und das Blut in Fontänen aus seinem Mund schießt. Mit dieser Strategie hat Hope 48 Kämpfe gewonnen, seine Börse liegt inzwischen bei zehn Millionen Dollar für eine Show. Das ist nicht so viel, wie die Stars in der Königsklasse verdienen, aber etwas Luxus lässt sich nach Abzug der Gebühren für Trainer und Manager finanzieren. Bei Benefizveranstaltungen sammelt Hope Geld für eine Kinderschutzorganisation, die auch das Waisenhaus finanziert, in dem er und seine Frau Maureen (Rachel McAdams) die gemeinsame Kindheit verbracht haben. Seit ihrem zwölften Lebensjahr lenkt „Mo“ die Gedankenwege des Boxers, der nicht viel mehr als Stroh im Kopf hat, und selbst das wird demnächst zu Brei werden. Daher möchte die Ehefrau – auch im Interesse der gemeinsamen Tochter Leila (Oona Laurence) – das weiße Handtuch in den metaphorischen Ring werfen, um Leben und Gesundheit des Schlägers zu retten. Doch im Boxgeschäft tummeln sich undurchsichtige Gestalten wie Hopes Manager Jordan Mains (Curtis „50 Cent“ Jackson) und offensichtliche Gangster wie der kolumbianische Boxer Miguel Escobar (Miguel Gómez), die auch eine Wohltätigkeitsgala bewaffnet besuchen. Solche Begegnungen enden oft in einer Schießerei, wobei Maureen zum zufälligen Opfer wird. Ohne diesen moralischen Orientierungspunkt verliert der Weltmeister den Titel, die Symbole für Aufstieg und Luxus und schließlich seine Tochter an die öffentliche Fürsorge. Die Medien verabschieden ihn mit der Schlagzeile, aus Billy „The Hope“ sei „The Dope“ geworden. Der Boxer ist ganz unten angekommen. Das Sinnbild für diesen Status ist die Stelle als Reinigungskraft in einem heruntergekommenen Trainingszentrum. Der Eigentümer dieser Sporthalle ist dafür der ehemalige Boxer Tick Wills (Forest Whitaker), der sich wie ein Sozialarbeiter um die verwahrloste Jugend kümmert und den Boxsport mit seinem trüben Glasauge eher mit Skepsis betrachtet. Mit Wills geht es auch bei Hope wieder aufwärts. Mehr bedeutungsschwangere Namen und Klischees sind in einem Film nicht vorstellbar. Der Einäugige führt den Blinden. Nur der Schachspieler und nicht der Schläger kann einen Boxkampf gewinnen.

Nicht von ungefähr erinnert die Geschichte mehr an das Rapper-Drama „8 Mile“ denn an die großen Boxer-Filme wie John G. Avildsens „Rocky“ (1977) oder Martin Scorseses „Wie ein wilder Stier“ (1980), denn Kurt Sutter hatte das bizarre Drehbuch ursprünglich für Eminem geschrieben. Der Hip-Hop-Star ist nur noch beim Soundtrack dabei und überließ die Knochenarbeit Jake Gyllenhaal, der seit „Brokeback Mountain“ (2005) keiner physischen Herausforderung aus dem Weg geht. Trotz des schwachen Skripts ist seinem Billy Hope das Fernduell anzusehen, das er gegen Robert De Niro führt. De Niro kommt aus Hell’s Kitchen und gewann als Jake LaMotta in Scorseses Boxerfilm seinen zweiten Oscar. Gyllenhaal könnte für seine Mühe, Fuquas Film zu retten, belohnt werden.