Flüchtlinge - Heuer bereits mehr als 450 Schlepper festgenommen

Wien (APA) - Insgesamt 457 Schlepper sind von Jahresbeginn bis Anfang August in Österreich festgenommen worden. Im gesamten Vorjahr waren es...

Wien (APA) - Insgesamt 457 Schlepper sind von Jahresbeginn bis Anfang August in Österreich festgenommen worden. Im gesamten Vorjahr waren es 511, 2013 lediglich 352, so die Zahlen des Bundeskriminalamtes. Der Flüchtlingsstrom hält ungebrochen an. Das Innenministerium rechnet heuer mit der Ankunft von insgesamt 80.000 Asylwerbern in Österreich.

Wurden im gesamten Jahr 2014 insgesamt 20.768 geschleppte Personen identifiziert, waren es heuer allein in den ersten sechs Monaten bereits 20.369. Aktuellere Zahlen liegen noch nicht vor, hieß es aus dem Bundeskriminalamt.

Erfolgten die Grenzübergänge im Vorjahr noch mit über 50 Prozent aus Italien gefolgt von über 30 Prozent aus Ungarn, hat sich dies nun geändert. „Mehr als 50 Prozent der Menschen kommen über die südosteuropäische Route nach Österreich“, sagte Oberst Gerald Tatzgern, Leiter der Zentralstelle zur Bekämpfung der Schlepperkriminalität und des Menschenhandels im Bundeskriminalamt.

„Der Flüchtlingsstrom wird aus kriminalpolizeilicher Sicht so schnell nicht abreißen“, erläuterte der Experte. Das hätten Befragungen von Flüchtlingen ergeben. Zahlreiche Menschen befinden sich im Umkreis von Syrien, Afghanistan und dem Irak in sogenannten Flüchtlingszonen oder Camps. „Wenn sie keine Hoffnung sehen, dass sie in den nächsten ein, zwei Jahren zurück in ihre Heimat können, dann werden sie weiterziehen. Das sagen uns Familienmitglieder“, erklärte Tatzgern. „Mehr und mehr versuchen ihre Familienmitglieder mittels Schleppern herzubringen.“

Allein im Libanon halten sich rund eine Million Flüchtlinge auf, mehr als zwei Millionen sind es in der Türkei, über eine Million in Libyen. „Man kann von einer sehr hohen Zahl an Menschen sprechen, die unmittelbar vor Schleppungen stehen“, sagte Tatzgern.

Österreich sei weiterhin nicht primär das Zielland der Flüchtlinge. Dies seien „mit Deutschland beginnend die Nordstaaten“. „Österreich ist dann ein Zielland, wenn es hier bereits Anknüpfungspunkte gibt, Familie oder Freunde, Communitys, Gruppen von Menschen, die man kennt und sprachlich versteht“, sagte Tatzgern.