Bezirk Kitzbühel

Hof-Bewirtschaftung in Extremlage

Über die Schwierigkeit von Landwirtschaft und Tourismus informierte die Landwirtschaftskammer in Jochberg. Ziel sind die Vermarktung der hohen Produktqualität und eine Änderung bei den Förderungen.

Von Verena Hofer

Jochberg, Kitzbühel –Dass die Arbeit am Bauernhof eine besondere Herausforderung ist, zeigt sich beim Untergföll-Hof in Jochberg. Auf 1100 Metern wohnt die Familie Hans und Evi Noichl. Bei der Anfahrt auf den Berg hinauf stechen einem sofort die kulturellen Unterschiede ins Auge. Zahlreiche noble Anwesen reihen sich zwischen Einheimischenhäusern und einigen Bauern. Dass das nicht immer einfach ist, darüber informierten Josef Hechenberger (Landwirtschaftskammer-Präsident), Vizepräsidentin und Bezirksbäuerin Helga Brunschmid, Josef Heim als Bezirkskammerobmann sowie das Ehepaar Noichl.

Am Gföllhof gibt es eine Kalbaufzucht, das Ehepaar geht zusätzlich noch in die Arbeit. „Die halbe Welt ist hier, aber die Bauern müssen außerhalb arbeiten, um das zu erhalten“, sagt Hechenberger. Die eigens erwirtschafteten Produkte teurer zu verkaufen, erscheint schwierig. „Wir produzieren in einem hohen Standard, sind aber nicht in der Lage mehr zu bezahlen als Lebensmittelgroßmärkte“, gibt sich Hechenberger selbstkritisch. Unbestritten ist, dass eine flächendeckende Landwirtschaft für den Tourismus besonders wichtig ist. Geht es nach den Funktionären der Landwirtschaftskammer, dann gibt es bei den Förderungen Handlungsbedarf. Bisher profitierten vor allem Bauern mit großen Flächen. „Mehr Hektar ist mehr Geld“, sagt Hechenberger und will nun, dass in Zukunft auch Arbeits- und Stundenleistung bei der Bewirtschaftung eingerechnet werden, um eine Besserstellung zu erreichen.

Seit dem Jahr 2000 lebt die Familie Noichl am Hof. Im Laufe der Zeit wurde dieser aufwendig renoviert. Um die Weichen für die Zukunft zu stellen, steht nun ein Stallbau mit Kosten von rund 200.000 Euro bevor. Die jährlichen Förderungen liegen bei etwa 10.000 Euro. Dass die Umsetzung schwierig ist, zeigte die Familie mit einem Rechenbeispiel auf. „Wir können jährlich 2590 Euro investieren“, rechnen die Eheleute ihre jährlichen Einkünfte aus der Landwirtschaft aus. Sohn Christoph (12) soll den Hof einmal übernehmen. „Es stellt sich die Frage, ob wir uns das noch antun“, erklärt Hans Noichl. Von den Problemen weiß auch Bezirksbäuerin Brunschmid: „Das Einkommen aus der Landwirtschaft ist sehr gering.“ Kein Einzelfall ist die Familie Noichl, viele Bauern kämpfen mit ähnlichen Problemen. Es gibt nun einen Investitionsberater, der Alternativen aufzeigen soll.

Für Josef Heim hat man im Bezirk in zwei Punkten Aufholbedarf. „Es muss zum Standard werden, dass Wege von der Öffentlichkeit übernommen werden. Das ist eine Existenzgrundlage“, sagt der Bezirkskammerobmann und will eine Neuaufstellung des Fördersystems. Als Beispiel dient dabei Südtirol. „Wir brauchen eine hohe Investitionsförderung“, fordert Heim.