Geplante Investitionsvorhaben des TVB am Hahnenkamm jäh gestoppt
Der TVB-Vorstand bereitete eine Millionenoffensive am Reuttener Skihausberg vor. Der Aufsichtsrat verwehrte aber seinen Segen. Obmann Hermann Ruepp ist konsterniert.
Von Helmut Mittermayr
Reutte, Höfen –„Nichts tun bedeutet Stillstand.“ Hermann Ruepp, der TVB-Obmann der Naturparkregion Reutte, wollte das Schwungrad bei den Reuttener Bergbahnen wieder richtig anwerfen und Millionen investieren. Da drei der vier Bergbahn-Gesellschafter (Sparkasse Reutte, Raiffeisenbank Reutte und E-Werke Reutte) schon länger signalisierten, dass sie kein frisches Geld in großem Stil zuschießen wollten, war für Ruepp klar, dass der Tourismusverband als Hauptnutznießer und vierter Gesellschafter hier gefordert ist. Rund 2,4 Millionen Euro wollte der TVB in die Hand nehmen, um am Hahnenkamm die Beschneiungsanlage bis zur Spitze voranzutreiben sowie Adaptierungen an der Talstation durchführen zu können. Die Gemeinde Höfen wäre bereit gewesen, als neuer Gesellschafter einzusteigen. Ihre Morgengabe bei den Reuttener Seilbahnen wäre eine neue Wasserleitung vom Lech bis zum Speicherteich sowie der Schollenwiesenlift gewesen. Ruepp präsentierte dem TVB-Aufsichtsrat kürzlich einen auf 15 Jahre ausgelegten Masterplan. Seine Ideen müssen jedoch noch länger im Konjunktiv verharren. Denn einige Aufsichtsräte konnten sich aus unterschiedlichsten Gründen damit nicht anfreunden oder wollten die Auswirkungen der Vorschläge genauer abwägen. Von verlorenen Sperrminoritäten bis hin zu möglicher Finanzknappheit bei anderen notwendigen Projekten war die Rede. Die Abstimmung über das Thema wurde schließlich abgesetzt.
Unter anderem hätten sich durch den Schritt die Machtverhältnisse in der Gesellschaft gravierend verschoben. Derzeit hält der TVB 37,5 %, Sparkasse und EWR je 21,8 % und die Raiba 18,7 %. Durch die Kapitalaufstockung hätte der Tourismusverband die Mehrheit von 51 Prozent innegehabt, alle anderen dann anteilig weniger. Höfen wäre mit vier Prozent neu dazugekommen. „Mit einem Mehrheitsgesellschafter könnte auch viel schneller auf Anforderungen reagiert werden. So geht oft lange nichts weiter, weil nicht klar ist, wer eigentlich anschaffen darf. Also passiert im Zweifel manchmal auch nichts“, sagt Ruepp.
Der Reuttener Hotelier ist über die Skepsis des TVB-Aufsichtsrates konsterniert: „Das war’s. Der Vorstand wird in dieser Sache nichts mehr unternehmen. Das Thema ist vom Tisch. Im Juni 2016 muss übrigens die alte Bergstation endgültig abgerissen werden. Geschätzte Kosten 500.000 bis 600.000 Euro. Ich bin gespannt, wer das dann bezahlen wird.“
Ralf Götz, TVB-Aufsichtsratsvorsitzender, will noch nicht glauben, dass die Ideen ad acta gelegt werden. „Es braucht einfach mehr Zeit, auch mehr Information. Das ging zu schnell.“ Auch er glaubt, dass es Sinn machen könne, wenn es künftig nur einen maßgeblichen Gesellschafter gebe. Bei dreien der vier Gesellschafter sei die Bergbahn alles andere als das Kerngeschäft. Die großen Investitionen der letzten Jahre seien aber immer nur durch Zahlungen „von außen“, also den Gesellschaftern, auch der öffentlichen Hand, möglich gewesen und nicht aus dem Betrieb der Bahn erwirtschaftet worden. Gerade Banken kämen hier nicht mehr in Frage. Der Vierersessellift sei etwa schon zehn Jahre alt. „Wer hat dann noch Geld, wenn hier wieder zugeschossen werden muss?“, fragt Götz in die Runde. Der im Beruf als Raiba-Bankvorstand Tätige sieht die Aufgabenstellung als sehr komplex an. Der Aufsichtsrat habe deshalb Umstrukturierungen in dieser Größenordnung nicht einfach durchwinken wollen, sei aber nicht aus Prinzip dagegen.