Buchpreis-Longlist: „Vielfältige Landkarte“ mit Österreich-Bezügen
Frankfurt (APA) - Vier Autorinnen und Autoren (Valerie Fritsch, Gertraud Klemm, Clemens J. Setz und Vladimir Vertlib), zwei Verlage (Droschl...
Frankfurt (APA) - Vier Autorinnen und Autoren (Valerie Fritsch, Gertraud Klemm, Clemens J. Setz und Vladimir Vertlib), zwei Verlage (Droschl und Zsolnay) und ein Juror (Markus Hinterhäuser) - das ist die österreichische Beteiligung am Deutschen Buchpreis 2015. Mit der heutigen Bekanntgabe der 20 Titel der Longlist wurde das spannende Prozedere eröffnet, das am 12. Oktober in Frankfurt in die Preisvergabe mündet.
„Die diesjährige Longlist ist eine aufschlussreiche Landkarte, sie bildet die Vielfältigkeit und Vielstimmigkeit der deutschsprachigen Literatur ab. In diesem Jahr aber zeichnet sich eines deutlich ab: Die Welt ist in ihr zu Hause. Die ausgewählten Autoren und Autorinnen nehmen sich der Seelendramen afrikanischer Flüchtlinge an, entführen uns in die Weiten Afghanistans oder in die engen Gassen eines Istanbuler Armenviertels“, wurde Jurysprecherin Claudia Kramatschek in einer Aussendung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels zitiert.
„Zugleich bleibt diese Literatur ganz bei sich, indem sie in mal utopischer, mal dystopischer, mal schelmischer, mal dokumentarischer Manier von ersten und letzten Dingen erzählt und den Platz des Individuums in einer Welt verhandelt, die zugerichtet ist durch die kapitalen Ströme des Geldes sowie repressive Systeme der Macht. Es stehen auf dieser Landkarte bekannte neben eher unbekannten Namen und große Verlage neben eher kleineren. Das macht sie für uns umso erfreulicher“, so Kramatschek.
Mit der Grazerin Valerie Fritsch, die kürzlich bei den Tagen der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt den Kelag-Preis und den Publikumspreis gewann und für ihren ausgezeichnet rezensierten Roman „Winters Garten“ nominiert ist, sowie der in Wien geborenen und in Niederösterreich lebenden Gertraud Klemm („Aberland“), die im vergangenen Jahr in Klagenfurt den Publikumspreis geholt hatte, haben zwei heimische Autorinnen Chancen auf eine neuerliche Würdigung ihres Werks. Auch Monique Schwitter wurde heuer beim Bachmann-Preis für einen Auszug aus dem nun nominierten Roman „Eins im Andern“ viel gelobt, ging aber leer aus.
Der fantasievolle Roman „Lucia Binar und die russische Seele“ des in Leningrad geborenen und seit langem in Österreich lebenden Autors Vladimir Vertlib stammt aus dem Frühjahrsprogramm von Deuticke im Paul Zsolnay Verlag und hat es ebenso auf die Longlist geschafft wie das erst Anfang September bei Suhrkamp erscheinende neue, 1.000-seitige Werk von Clemens J. Setz, „Die Stunde zwischen Frau und Gitarre“.
Unter den weiteren Nominierten befinden sich u.a. Jenny Erpenbeck („Gehen, ging, gegangen“), Rolf Lappert („Über den Winter“), Feridun Zaimoglu („Siebentürmeviertel“ ) oder Ilja Trojanow („Macht und Widerstand“). In der nächsten Etappe wird das Feld am 16. September auf jene sechs Titel reduziert, aus denen am 12. Oktober im Frankfurter Römer am Vorabend der Buchmesse der Sieger gekürt wird.
Die renommierte Auszeichnung ist insgesamt mit 37.500 Euro dotiert: Der Sieger erhält 25.000 Euro, die übrigen Finalisten je 2.500 Euro. Im vergangenen Jahr wurde Lutz Seiler für seinen Roman „Kruso“ ausgezeichnet. 2005 hatte der Vorarlberger Arno Geiger für „Es geht uns gut“ den ersten Deutschen Buchpreis gewonnen.
Die Jury besteht heuer aus Markus Hinterhäuser, dem Intendanten der Wiener Festwochen und designierten Intendanten der Salzburger Festspiele, vier Kritikern - Claudia Kramatschek (freie Kritikerin und Sprecherin der Jury), Ulrike Sarkany (Norddeutscher Rundfunk), Christopher Schmidt („Süddeutsche Zeitung“) und Bettina Schulte („Badische Zeitung“) - sowie zwei Buchhändlern - Rolf Keussen (Mayersche Droste, Düsseldorf) und Ursula Kloke (Botnanger Buchladen, Stuttgart).
167 literarische Neuerscheinungen sind von insgesamt 110 Verlagen (davon 15 Verlagen aus Österreich) eingereicht worden. Weitere Titel konnten jedoch von der Jury selbst angefordert werden, so dass insgesamt 199 Titel gesichtet wurden. Die Bücher müssen zwischen Oktober 2014 und 16. September 2015 erschienen sein bzw. erscheinen.
(S E R V I C E - http://www.deutscher-buchpreis.de)
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