Nissans stärkster Qashqai für Diesel-Skeptiker
Praktisch zum Preis des 110-PS-Diesels bekommt man den kompakten Crossover auch als 163-PS-Benziner. Das hat seinen Grund.
Innsbruck –Vor acht Jahren hatte Nissan einen mutigen Schritt gesetzt und viel Gespür für den Markt bewiesen. Ersetzten die Japaner doch ihre Kompaktklasse durch ein Modell mit SUV-Charakter und schufen mit dem Qashqai nicht nur den ersten Crossover des Segments, sondern auch einen zwei Millionen-Exemplare-Welterfolg. Die zweite Auflage wurde ansatzlos wieder zum Publikumsrenner. Fließende Linien und Sicken vereinen sich zu einem der feschesten Vertreter des weiter boomenden SUV-Mainstreams. Zu diesem gehören gemeinhin bei SUVs auch Dieselmotorisierungen. Verlangen die Gewichte dieser geländewagenartigen Wesen (hier im getesteten Qashqai allerdings nur 1390 Kilogramm) doch erstens nach genug Kraft durch Drehmoment und zweitens aufgrund des kraftfressenden hohen Aufbaus nach der effizientesten Motortechnik.
Trotzdem gibt es aber auch in diesem Segment erklärte Diesel-Verweigerer: Meistens handelt es sich um Wenigfahrer, die den Preisvorteil und die Laufkultur des Benziners schätzen. Wird der Geländegänger dabei nur zur Überwindung von Gehsteigkanten genutzt, muss man sich mit einem Benziner zudem nicht mit verstopften Diesel-Partikelfiltern herumschlagen. Für genau diese Klientel bietet Nissan den Qashqai nun mit einem neu entwickelten 1,6-Liter-Turbobenziner mit 163 PS an. Und dies zum Diskontpreis ab 26.821 Euro. Ein bestausgestatteter „360 Grad“ liegt bei gerade 29.084 Euro.
Damit liegt der moderne Euro6-Benziner nur etwas oberhalb des 110-PS-Diesels, aber knapp einen Tausender unter dem Ölbrenner mit 130 Pferden. Wohlgemerkt als Fronttriebler – Allrad bleibt nämlich allein dem bullig agierenden 130-PS-Diesel vorbehalten. Und da sind wir schon mittendrin im Thema. So hätten wir uns die 163 Pferde doch etwas lebhafter vorgestellt, auch wenn die technischen Daten ein anderes Bild zeichnen (von null auf hundert km/h in 8,9 Sekunden). Es liegt an der Art der Leistungsentfaltung, die nach Drehzahlen verlangt und nicht so recht zu einem souverän-gelassenen SUV passen will. Zudem stört, dass die Drehzahl bei Gaswegnahme nicht sofort unmittelbar wieder absinkt, auch der Verbrauch lag im TT-Test gut zwei Liter höher als im 130-PS-Diesel. Bleibt die hervorragende Laufkultur, die vor allem bei ruhiger Fahrt zur Geltung kommt.
So ist es paradox: Den neuen starken 163-PS-Benziner für Wenigfahrer, die im Qashqai gerne hoch sitzen, ansonsten aber keine Bäume ausreissen, den Diesel – speziell die rundum gelungene 130-PS-Version – aber für all jene, die ihren Qashqai auch fordern oder mit ihm doch für wenig Diesel einmal ein kleines Abenteuer wagen wollen. (fell)
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