Volkstheater 2 - „Ein Seismograf für das, was um uns herum passiert“
Wien (APA) - Zwar sei Theater grundsätzlich „ein langsames Medium“, dennoch versteht Anna Badora, die 1993 ihr Volkstheater-Debüt mit der In...
Wien (APA) - Zwar sei Theater grundsätzlich „ein langsames Medium“, dennoch versteht Anna Badora, die 1993 ihr Volkstheater-Debüt mit der Inszenierung von „Baumeister Solness“ gefeiert und danach die Schauspielhäuser in Düsseldorf und Graz geleitet hatte, Theater sehr wohl als Resonanzkörper der Gesellschaft: „Wir sind eine Art Seismograf für das, was um uns herum passiert.“
Das soll sich in Uraufführungen wie „Der Marienthaler Dachs“ über die Arbeits- und Finanzwelt (Premiere am 25. September), Yael Ronens „Überzeugungskampf“ über aus Wien stammende IS-Kämpfer (Premiere am 18. Dezember) und Ibrahim Amirs Zukunftsvision „Homohalal“ (Premiere am 22. April 2016), aber auch in vielen kleinen Diskussionen und Veranstaltungen ausdrücken.
Ein „Volkstheater“ müsse sich heute als „Vielvölkertheater“ begreifen, sagt die aus Polen stammende Intendantin und verweist auf den bunten Herkunftshintergrund ihres Ensembles. „Wichtig ist mir aber dabei: Das sind alles hochkarätige Schauspieler!“ Noch nicht ganz so durchmischt sei das Publikum, erzählt sie von Vorstellungsbesuchen bei der Bezirkstournee des Volkstheaters. Im Veranstaltungszentrum der Per-Albin-Hansson-Siedlung etwa gebe es unter den Kursteilnehmern einen sehr hohen Anteil an Migranten, „im Theatersaal war dann kein einziger. Das springt ins Auge!“ In Überlegung ist nun etwa eine Art Partnerschafts-Programm, bei dem langjährige Abonnenten als Mentoren für Vertreter neuer Publikumsschichten fungieren.
Die Premieren der Tournee-Produktionen werden künftig in der auf „Volx/Margareten“ umbenannten Spielstätte am Hundsturm stattfinden. „Eine solche zweite Spielstätte ist selbstverständlich. Wie wir die Planung mit den engen Budgetvorgaben dieser Spielzeit geschafft haben, ist eigentlich ein Wunder. Denn wir sind extrem unterdotiert. In Graz hatten wir für das künstlerische Programm mehr Geld zur Verfügung. Und dort haben wir auch, wie an allen Häusern, in denen ich vorher gearbeitet habe, die kollektivvertraglichen Lohnerhöhungen ausgeglichen bekommen.“
Mit dem am Volkstheater als selbstbewusst geltenden Betriebsrat herrsche derzeit ein eher kooperatives Einvernehmen. Neuproduktionen werden künftig jeweils zwei Schließtage zur Premierenvorbereitung bekommen. „Mehr können wir uns wegen der notwendigen Einnahmen nicht leisten. In Graz war es genau umgekehrt: Da durften wir nicht mehr als 21 Vorstellungen pro Monat spielen, weil es sonst zu teuer geworden wäre.“
Die Finanzierung der Generalsanierung hofft Badora bis Dezember endverhandeln zu können, Finanzsorgen für den laufenden Betrieb werden sie aber noch länger begleiten, fürchtet die neue Intendantin. Habe man aber erst einen erfolgreichen Start absolviert und die neue Positionierung deutlich gemacht, werde es auch leichter werden, Kooperationspartner zu gewinnen. „Man muss uns ein bisschen Zeit geben. Dass alles sofort funktioniert, das habe ich noch nie erlebt.“
(Das Gespräch führte Wolfgang Huber-Lang/APA)
(S E R V I C E - www.volkstheater.at)
(B I L D A V I S O - Bilder von Anna Badora sind im AOM abrufbar.)
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