Hanfzucht zum Abbau von Schulden
Das Geschäftsmodell einer einträglichen Hanfplantage platzte für einen Oberländer bereits nach 27 Stauden.
Von Reinhard Fellner
Innsbruck – „Ich hatte damals ziemlich große Schulden. Ja, und ich hab’ halt immer gehört, dass mit dem Cannabisanbau gutes Geld zu verdienen sei. Da habe ich mit der Cannabisaufzucht begonnen“, erklärte ein wegen Suchtgifthandels angeklagter Oberländer am Landesgericht.
Der 33-Jährige sah die Sache aber offenbar nicht nur als reines Geschäftsmodell. Schließlich habe er selbst wöchentlich drei bis vier Joints geraucht und dazu auch noch seine Kreuzschmerzen auskurieren wollen. Als er dann aber noch ergänzte, dass er die Plantage „eigentlich eh mehr nur aus Interesse“ angelegt hätte, platzte Staatsanwalt Dieter Albert der Kragen: „Ja wahrscheinlich! Und deshalb ziehen Sie drei verschiedene Sorten mit insgesamt 27 Pflanzen auf?“
Auch wie viel er letztlich weiterverkauft hatte, wollte der Oberländer vor Strafrichter Andreas Mair vollends aus dem Gedächtnis gestrichen haben: „Ich führte da doch nicht Buch oder legte ein Sparbuch an!“
Angesichts einer Strafandrohung von sechs Monaten bis zu fünf Jahren Haft recht mutige Antworten. Verteidiger Christian Linser betonte darauf nochmals im Plädoyer, dass es sich hier eigentlich um einen kleinen Fisch in der Szene handeln würde und es sich bei der Plantagenaufzucht um einen einmaligen Fehltritt des bislang Unbescholtenen gehandelt hätte.
Richter Mair verhängte darauf insgesamt sieben Monate Gefängnis, aufgeteilt in drei Monate bedingte Haft und 960 Euro Geldstrafe. „Sie sind sicher kein Drogenbaron, aber ein Kavaliersdelikt ist das eben auch nicht mehr. Auch war vor der Polizei noch keine Rede von der eigenen Sucht. Aber Sie haben vor Gericht die Hosen nun voll heruntergelassen und waren bislang unbescholten. Jetzt vernichten wir noch Ihre Pflanzen!“