Osttirol

St. Jakob: Ein heilender erster Schritt

Angelehnt an den Mythos der Schnabelmenschen, wurde in St. Jakob das Heilwasserhaus errichtet und inszeniert.
© Oblasser/Gemeinde St. Jakob

In St. Jakob i. D. wurde gestern Abend der „Mythenplatz“ Heilquellenhaus eröffnet. Kooperation mit Osttirol Werbung ist auf Schiene, Abfüllanlage harrt noch behördlicher Genehmigung.

Von Manfred Mitterwachauer

St. Jakob i. D. –Die Zeit heilt alle Wunden, heißt es. Die wechselhafte Geschichte des Heilwassers in St. Jakob hat im vergangenen Jahrzehnt doch so manche aufgerissen. Nicht nur der Erfolg des Projektes wurde mehrmals hinterfragt, auch dessen Finanzierung, die TT berichtete. 2,8 Mio. Euro und so manche Diskussion später wähnt sich nicht nur die Gemeindespitze, sondern auch die Heilwassergesellschaft (26 Gesellschafter, darunter das Land Tirol, die drei Talgemeinden, Hotels und Privatpersonen) auf einem guten Weg.

Gestern Abend wurde das neue Abfüllhaus feierlich eingeweiht und eröffnet. Neben Bürgermeister Gerald Hauser ließen sich das u. a. Gesundheits-Landesrat Bernhard Tilg, TVB-Obmann Franz Theurl und Bezirkshauptfrau Olga Reisner nicht entgehen. Denn das Haus bietet weit mehr als nur eine „kleine und feine Abfüllanlage“, wie der Geschäftsführer der Heilwassergesellschaft, Egon Kleinlercher, sagt. Gestaltet von Künstler Michael Lang, wurde rund um den Mythos der Deferegger Schnabelmenschen ein Haus kreiert, das in einer künstlichen Tropfsteinhöhle den Weg des Heilwassers aus seiner Tiefe von 1900 Metern bis hin zum Verkauf Gästen erlebnisreich näherbringen soll. Besichtigungen gibt es nur mit einer Führung.

Die jodhaltige Natrium-Chlorid-Sole-Therme selbst sei, so werden Hauser und Kleinlercher nicht müde zu betonen, vom Land und der BH Lienz als Heilwasser anerkannt. Es soll diverse Leiden lindern helfen. Zum Trinken sei es indes nicht geeignet. Sehr wohl aber für Badkuren und als Beigabe für Cremen und ähnliche Produkte. Die werden bereits in einer Matreier Apotheke hergestellt. Eine medizinische Studie, die vom Land kofinanziert wird und weitere Anwendungsmöglichkeiten prüfen soll, sei noch im Laufen, sagt Hauser. Man warte auf Ergebnisse.

Verkauft wird das Wasser in Sprühflaschen zu einem halben und einem Liter. Noch werde aber nicht in der St. Jakober Anlage abgefüllt, sagt Kleinlercher. Hierfür müsse die Anlage erst behördlich genehmigt werden. Dies solle „in den nächsten Wochen erfolgen“. Bis dato erfolgte die Abfüllung aufgrund einer provisorischen Genehmigung im nahen Hopfgarten. Die jährliche Fördermenge ist mit 160.000 Liter durchaus überschaubar. Der Vertrieb selbst, so Kleinlercher, sei noch im Aufbau befindlich.

Künstler Michael Lang hat seine Handschrift an allen Ecken hinterlassen.
© Oblasser/Gemeinde St. Jakob

Vom Erfolg überzeugt ist Bürgermeister Gerald Hauser. Einer, der nicht nur auf die Gemeinde und das Defereggental, sondern auch auf den Bezirk ausstrahlen soll: „Die ganze Region kann ein Wellness-Profil bekommen.“ Jeder Betrieb sei eingeladen, die Heilwasserprodukte in sein Sortiment aufzunehmen bzw. seinen Gästen anzubieten, sagt Hauser. Während eine Zertifizierung für den deutschen Markt bereits beantragt wurde, sei sogar schon eine eigene Heilwasser-Badewanne in Entwicklung.

Hauser strebt eine Kooperation mit der Osttirol Werbung an. Das Heilwasserhaus soll Teil der Osttirol Card werden: „Die Frequenz wäre dann sicher höher.“ Die Gespräche seien im Laufen, sagt Hauser.

Für Theurl brauche es da aber keine Verhandlungen mehr: „Das kann ich zusagen, das passt gut in die Osttirol Card hinein.“ Die Inszenierung des Wasser(mythos) sei für Osttirol-Gäste „sehr sehenswert“ und ein „Schritt in die richtige Richtung“.

Was die in St. Jakob angestrebte gesundheitstouristische Nachhaltigkeit betreffe, so Theurl, „wäre es erfreulich, wenn der medizinische Aspekt noch mehr herausgearbeitet“ würde. Eine „heilende Kur“ – das wäre „touristisch ein großer Wurf“. Das, so weiß Theurl, brauche aber noch Zeit und hänge auch von der ausständigen Studie ab.

Drei Fragen an Gerald Hauser

Vor der gestrigen Einweihung und Eröffnung des Heilwasserhauses sprach die Tiroler Tageszeitung mit dem St. Jakober Bürgermeister Gerald Hauser.

Noch vor einigen Jahren wurden die Thermalbohrungen unter anderem als finanzieller Flop bezeichnet. Nun geht das Heilwasserhaus in Betrieb — eine späte Genugtuung?

Ja. Wir sind jetzt auf einem sehr guten Weg. Wir hatten Glück, ein so einzigartiges Heilwasser gefunden zu haben.

Und das Thema Therme ist auch für die Zukunft abgehakt?

Eine Therme war nie realistisch. Das war ein Schnellschuss der damaligen Politiker, die mich als Bürgermeister verhindern wollten. Eine Therme wäre nie zu finanzieren gewesen und außerdem wären wir da nur eine Therme von vielen gewesen.

Wie soll es nun weitergehen?

Das Heilwasser von St. Jakob soll ein Leuchtturmprojekt sein — nicht nur für das Defereggental, sondern auch für den gesamten Bezirk Osttirol.

Das Interview führte Manfred Mitterwachauer