Innsbruck

Ein Scheibchen vom Weiler

© Vanessa Weingartner / TT

Max-Weiler-Wandgemälde und Leopoldsbrunnen: In Innsbruck werden zwei große denkmalgeschützte Objekte abgebaut. Zwei heikle Aufgaben.

Von Michaela Spirk-Paulmichl

Innsbruck –Man nehme zwei Gemälde mit je 28 Metern Länge und 2,60 Metern Breite – befestigt an zwei gegenüberliegenden Wänden hoch über dem Boden der Innsbrucker Saalsäle –, zerlege sie in zwölf Einzelteile und schaffe sie unbeschädigt zum Abtransport ins Freie. Sagt sich leicht, ist aber eine große Herausforderung und die richtige Aufgabe für den Innsbrucker Steinrestaurator Johannes Schlögl. „Er ist auf das Manövrieren größerer Objekte spezialisiert und einfach ein Tüftler“, sagt Gabriele Neumann vom Landeskonservatorat Tirol. Gemeinsam mit dem Restaurator Peter Berzobohaty, der für seine innovative Arbeit bei der Abnahme der Fresken von Max Weiler am Innsbrucker Hauptbahnhof bekannt ist, bildet er ein „Team, wie es erfahrener gar nicht sein kann“.

Trotzdem gebe es für so eine Aufgabe keine Erfahrungswerte, meint Schlögl selbst, der unter anderem den Kenotaph Kaiser Maximilians I. und das Goldene Dachl restaurierte. Zwei Jahre haben die Vorarbeiten in Anspruch genommen, jetzt soll alles sehr schnell gehen. Der Abbruch der Stadtsäle ist für Oktober vorgesehen.

Damit die Wandgemälde bei der Abnahme nicht beschädigt werden, müssen mehrere Vorkehrungen getroffen werden. Schlögls „Mitstreiter“: Daniel Hölzl, Reinhold Auer, Walter Meissl und Christian Danzl. Das Bild wird derzeit von einer Konstruktion gehalten, die auf Holzträgern befestigt ist. Bevor diese durchgeschnitten werden können, werden unterhalb des Gemäldes eigens angefertigte Eisenwinkel und oberhalb Haken in die ein Meter dicke Mauer gebohrt – Überreste des alten, teilweise zerstörten Stadtsaal-Gebäudes. Zurrgurte halten das tonnenschwere Werk fest. Das Bild selbst bekommt als Schutz und zur Fixierung ein so genanntes „Facing“. Zerschnitten wird es mit einer Diamantsäge. Erst jetzt kann es heruntergehoben werden, wobei dieser Teil Johannes Schlögl noch einiges Kopfzerbrechen bereitet: Um die einzelnen Teile von der Galerie auf das Parkett zu befördern, braucht es ein massives Hebegerät. Aber ob der Stadtsaal-Boden das aushält? Das Risiko trägt in jedem Fall er, „aber das gehört zu meinem Job. Fehler dürfen keine passieren, sie können nicht mehr korrigiert werden.“

Zuletzt bleibt der Weg raus ins Freie – wenn nötig durch die Wand. Zwischengelagert und restauriert werden die Bilder in einer Halle in Innsbruck, die genaue Adresse bleibt geheim. Damit niemand in Versuchung komme, sich „ein Scheibchen Weiler abzuschneiden“, wie Denkmalschützerin Neumann meint. Unterdessen gibt es einen neuen Versuch, eine adäquate Heimstätte für die Wiederanbringung der Weiler-Gemälde zu finden: Sie ist eine Vorgabe in der Ausschreibung für den Architektenwettbewerb für das neue Management Center Innsbruck (MCI).

Zeitgleich wird der Leo­poldsbrunnen vor dem Stadtsaalgebäude abgebaut – „ein Puzzle“, wie Restaurator Schlögl sagt, der auch dafür zuständig ist. Damit die etwa 80 Teile nach der Restaurierung wieder zusammengefügt werden können, werden sie einzeln beschriftet: NO, NW, SW, SO – die Himmelsrichtungen. Etwa 60 bis 70 Tonnen wiegt der Brunnen aus Sterzinger Marmor, die Bleiverrohrung hat über hundert Jahre gehalten. Die größte Herausforderung war aber die sichere Entfernung des Reiterstandbilds Erzherzog Leopold V. aus Bronze. Eine eigene Konstruktion war nötig, um es mit einem Kran in einen Lkw zu verladen, mit dem es nach Wien zur Restaurierung ging. Der Tüftler, der sie sich ausdachte und zusammenbaute, war Johannes Schlögl.

Auch die Konstruktion zum Verladen des Reiterstandbilds Erzherzog Leopold V., der dem Leopoldsbrunnen den Namen gab, stammt aus Schlögls Hand.
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