SBO-Chef Grohmann: „Wir stehen auf der Kostenbremse“

Ternitz/Wien (APA) - Der Ölfeldausrüster Schoeller-Bleckmann (SBO) stellt sich darauf ein, „dass dieser Abschwung vielleicht ein bisschen lä...

Ternitz/Wien (APA) - Der Ölfeldausrüster Schoeller-Bleckmann (SBO) stellt sich darauf ein, „dass dieser Abschwung vielleicht ein bisschen länger dauert als die vorigen“, sagt SBO-Chef Gerald Grohmann. „Wir stehen fest auf der Bremse, was die Kosten betrifft. Aber wir machen nichts, was uns dann im nächsten Aufschwung behindert“, so Grohmann heute (Donnerstag) im Gespräch mit der APA.

Auf den Umsatz- und Gewinneinbruch im Halbjahr hatte Grohmann die Anleger schon vor zwei Monaten vorbereitet. Der Umsatz ging um 18,9 Prozent auf 186,9 Mio. Euro zurück, das Betriebsergebnis brach um 57,6 Prozent auf 19,3 Mio. Euro ein. „Operativ sind wir klar positiv“, betonte Grohmann. Dass der Nettogewinn völlig zusammengeschmolzen ist, „haben wir dem undurchsichtigen Regelwerk von IFRS zu verdanken“. Man sei gezwungen gewesen, eine in drei Jahren fällige Option abzuwerten, sonst hätte man einen Nettogewinn von 12 Mio. Euro ausweisen können, erklärte Grohmann. Dieser negative Einmaleffekt sei aber nicht Cash-wirksam gewesen.

Den Cashflow aus der laufenden Geschäftstätigkeit hat Schoeller-Bleckmann auf 57,1 Mio. Euro verdoppelt. „Wir sind zwar in einer schwierigen Zeit, die in diesem Jahr jedenfalls noch andauern wird - aber wir haben eine extrem gesunde und starke Bilanz und eine Eigenkapitalquote von 57 Prozent“, sagte Grohmann. „Wir haben Sparmaßnahmen und Optimierungsmaßnahmen an allen Enden.“

„Wir haben im ersten Halbjahr noch ein paar nachlaufende Investitionen gehabt, die wir nicht mehr stoppen konnten. Das sollte im zweiten Halbjahr weniger sein.“ Im Wesentlichen werde man sich auf Erhaltungsinvestitionen beschränken, aber im Nahen Osten baue man aus. „Sowohl in Dubai als auch in Saudi-Arabien werden wir mit dem Motorengeschäft neue Geschäftstätigkeiten starten. Auch Russland läuft nicht schlecht - die Russen brauchen jedes Barrel Öl, das sie auf den Markt bringen können.“ Auf Grund des Cashflows und der guten Eigenkapital-Ausstattung wäre aber auch ein Zukauf „kein Problem“, falls sich eine gute Gelegenheit ergeben sollte.

Ein weiterer Stellenabbau sei zwar denkbar, „aber nicht in der Vehemenz wie im erste Halbjahr“, sagte Grohmann. „In Österreich haben wir eine gute Situation, weil hier die Mitarbeiter in guten Zeiten Überstunden ansparen, die wir in schlechten Zeiten abbauen können. Dieser Topf, der da angespart wurde, reicht bis Ende des Jahres.“

Dass sich trotz der Spaßmaßnahmen am Ende des Jahres kein Gewinn ausgeht, hält Grohmann für möglich, „ich kann aber auch nicht ausschließen, dass wir einen Gewinn machen“.

Dass sich der Markt heuer noch erholen wird, glaubt Grohmann nicht. Aber die IEA „Internationale Energieagentur“ habe ihre Prognose erst unlängst erhöht - für 2015 um 200.000 Barrel pro Tag und für 2016 um 400.000 Barrel pro Tag. Es gebe also „ein bisschen Rückenwind, was die Nachfrage nach Öl betrifft“. Auch die OPEC, „die ja irgendwo der Verursacher dieser ganzen Situation ist durch die hoch gehaltene Produktion“, habe angedeutet, dass die Ölmärkte 2016 besser ausbalanciert sein könnten.

Die Aufhebung der Iran-Sanktionen wird sich nicht unmittelbar auswirken, meint Grohmann. „Es werden wahrscheinlich ein paar Hunderttausend Barrel relativ rasch auf den Markt kommen, aber um im großen Stil die Ölfördermengen im Iran zu erhöhen, das benötigt Jahre.“ Vorher müsse im Iran kräftig in die Ausrüstung investiert werden, was gut fürs Geschäft der SBO sei - „aber das ist noch in ferner Zukunft“.

Die Aktie der Schoeller-Bleckmann Oilfield Equipment AG hat im Jahresabstand fast die Hälfte ihres Wertes verloren und heute Vormittag neuerlich um 1,3 Prozent auf 42,91 Euro nachgegeben. Diese Entwicklung sei völlig parallel zum Ölpreis verlaufen, erklärte Grohmann.

~ ISIN AT0000946652 WEB http://www.sbo.co.at ~ APA168 2015-08-20/11:01