Flüchtlinge - Der Touquet-Vertrag über die Grenzkontrollen in Calais

Calais (APA/dpa) - Die britische Grenze wird faktisch in Nordfrankreich bewacht: In Calais verhindern französische Polizisten, dass Migrante...

Calais (APA/dpa) - Die britische Grenze wird faktisch in Nordfrankreich bewacht: In Calais verhindern französische Polizisten, dass Migranten auf Lastwagen mit Ziel Großbritannien klettern. Eine Grundlage für diese Situation ist ein Vertrag aus dem Jahr 2003. Im nordfranzösischen Le Touquet vereinbarten Paris und London damals eine engere Zusammenarbeit im Kampf gegen Schlepper und illegale Einwanderung.

Demnach werden Pässe bereits im Hafen von Calais kontrolliert, von britischen Beamten. Wer nicht ins Land darf, muss in Frankreich bleiben - und fliegt nicht erst bei der Ankunft in Dover auf. Umgekehrt kontrollieren französische Beamte schon auf englischem Boden, ob Reisende nach Frankreich und damit in den Schengen-Raum dürfen.

Weil aber seit Jahren Migranten versuchen, von Calais aus nach Großbritannien zu gelangen, ist in Frankreich zuletzt Kritik an den Vereinbarungen laut geworden. Selbst Innenminister Bernard Cazeneuve nannte den Touquet-Vertrag vor kurzem „etwas ungleich, weil er sehr viel auf die französischen Schultern lädt und sehr wenig auf die der Briten“. Die französische Menschenrechtskommission kritisierte, „aufgrund der Auslagerung der britischen Grenzkontrollen auf französischen Boden ist das Vereinigte Königreich quasi nie für die Bearbeitung von Asylanträgen zuständig“. Sie forderte, die Vereinbarung schlicht und einfach zu kündigen.