Freude und Protest wegen Hotelbau
In Haller will ein Gräner Hotelier ein neues Hotel auf die grüne Wiese stellen. BM Hornstein begrüßt das Vorhaben. Für einen Nachbarn, der erst kürzlich zuzog, ist das Projekt alles andere als „klein und fein“.
Von Helmut Mittermayr
Nesselwängle, Grän –Der Name Barbist ist im Tannheimer Tal seit Jahrzehnten Synonym für erfolgreiches Wirtschaften im Tourismus. Mehrere Betriebe zeugen von der Schaffenskraft der rührigen Familien. Tal-TVB-Obmann Walter Barbist vom Hotel Tyrol in Haldensee/Grän ist einer von ihnen. Er hat sich schon seit Jahren ein neues Hotel auf der anderen Seeseite im Nesselwängler Weiler Haller in den Kopf gesetzt. Das Projekt ist längst konkret geworden, die Unterlagen sind eingereicht, die Bauverhandlung ist abgeführt, der Gemeinderat hat die Umwidmung mit großer Mehrheit beschlossen. Damit ist der seit Jahrzehnten größte Neubau eines Hotels im Außerfern in die Wege geleitet.
Das Viersterne-S-Haus soll „haldensee“ heißen und 132 Hausgäste in 59 Beherbergungseinheiten aufnehmen können, teilt der Rechtsvertreter Barbists, Michael Steskal von der Reuttener Anwaltskanzlei Mader-Steskal, auf Anfrage mit. Große Tiefgarage, riesiger Spa-Bereich, sechs Geschoße – die Kosten des Neubaus werden im zweistelligen Millionenbereich zu liegen kommen.
Die Schönheit der Lage am flach abfallenden Gelände zum See wussten auch andere zu schätzen. Etwa Gerhard Schöttke, der vor drei Jahren mit Lebensgefährtin Sabine Szidlovszky und Tochter Alina in Haller, direkt oberhalb der Durchzugstraße, eine Wohnung erworben hat – im festen (Irr)-Glauben, dass der Baubeginn der Umfahrung Haller praktisch bevorstehe und ein direkt unterhalb der Straße geplantes Hotel „klein und fein“ werde. „Das hat uns Bürgermeister Klaus Hornstein persönlich versichert.“ Aus klein und fein sei nun vor ihrem Garten und ihrer Terrasse „ein insgesamt sechsgeschoßiges Monstrum geworden, das noch viergeschoßig auf 100 Metern Länge bis zu 14 Meter über das Straßenniveau hinausragt“. Die aus Deutschland Zugezogenen sind verbittert und der Meinung, dass sich alles in der Region gegen sie verschworen hat. Der Baubeginn für die neue Umfahrung könnte sich noch bis zu zehn Jahre hinauszögern. So heiße es weiter den Lärm ertragen. Von Einspruchsmöglichkeiten beim Erlassen des Bebauungsplanes für das Gebiet um das Hotel hätten sie zum Beispiel, da gerade im Urlaub befindlich, zu spät erfahren. Als „Hauptschuldigen“ machen sie dafür den Dorfchef aus, auch wenn das Bauverfahren in 1. Instanz von der Bezirkshauptmannschaft Reutte abgewickelt wird. Nesselwängle nutzt wie viele kleine Gemeinden die Möglichkeit dieser Abtretung an Baurechtsfachleute.
Über einen möglichen Baubeginn kann nur spekuliert werden, die Verfahren laufen. Der Nesselwängler Bürgermeister glaubt an das Frühjahr 2016, sollten, wie von ihm vermutet, allfällige Einsprüche – etwa bei der Grundzusammenlegung – wie schon in 1. Instanz abgewiesen werden. „Das ist meine persönliche Meinung. Wissen tu ich es auch nicht“, so Hornstein.
Im Zuge der Erschließung und Baulandumlegung rund um den Hotelbereich sollen zwei Straßen zum See künftig zu einer zusammengefasst werden. Hier schießt sich das Paar Schöttke/Szidlovszky auf den Nesselwängler Bürgermeister ein. Da werde öffentliches Geld verschwendet, nur um ein Unternehmen zu bedienen. Minutiös listen sie „Versäumnisse“ der Gemeinde Nesselwängle auf. Etwa, dass Schulkinder ihre Schulpause ungesichert auf einer Gemeindestraße verbringen müssten, weil es hier an jeglicher Infrastruktur fehle. Für die Interessen eines Hoteliers sei hingegen jedes Geld vorhanden.
Bürgermeister Hornstein schüttelt nur noch den Kopf: „Da sage ich nur – deutsche Mentalität!“ Die Tiroler Bauordnung gelte und danach gehe die Behörde vor. Alles sei rechtzeitig an der Amtstafel ausgehängt worden, andere hätten deshalb sehr wohl zeitgerecht die Chance einer Stellungnahme ergriffen. Er habe in Sachen Hotelneubau außerdem niemals „klein und fein“ gesagt, sondern kleiner als der ebenfalls in Haller angesiedelte Laternd’l Hof. Und genau das werde es ja.
„Prinzipiell begrüße ich das Projekt der Familie Barbist. Das sind angesehene Leute, noch dazu Einheimische, die etwas vom Fach verstehen“, streut der Bürgermeister vorab Rosen. Nesselwängle sei alles andere als mit Gewerbetrieben gesegnet. Die Neuansiedelung eines Unternehmens sei sicher sehr positiv und werde von der Gemeinde selbstverständlich gutgeheißen und unterstützt.
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