SPD-Politiker Egon Bahr mit 93 Jahren gestorben
Berlin (APA/AFP/dpa) - Der Architekt der deutschen Ostpolitik, der SPD-Politiker Egon Bahr, ist tot. Der enge Vertraute des früheren Bundesk...
Berlin (APA/AFP/dpa) - Der Architekt der deutschen Ostpolitik, der SPD-Politiker Egon Bahr, ist tot. Der enge Vertraute des früheren Bundeskanzlers Willy Brandt starb im Alter von 93 Jahren, wie ein Sprecher der SPD am Donnerstag bestätigte.
„Mit großer Bestürzung und tiefer Trauer haben wir in der letzten Nacht vom Tode Egon Bahrs erfahren“, erklärte Parteichef Sigmar Gabriel am Donnerstag auf Facebook. Bahr sei ein „großer Vordenker der Sozialdemokratie“ gewesen, der „mit einzigartiger politischer Tatkraft Konzepte in die Tat umsetzte“. Er werde „Egon auch als Freund und Ratgeber sehr vermissen“, erklärte Gabriel weiter. Die Ostpolitik Brandts und Bahrs sei „eine entscheidende Voraussetzung zur Überwindung der Teilung Deutschlands und Europas“ gewesen.
Egon Bahr galt als einer der Wegbereiter der neuen deutschen Ostpolitik unter der Regierung Brandts (1969 bis 1974). Der am 18. März 1922 geborene Politiker war zu Zeiten des Mauerbaus 1961 Sprecher des Berliner Senats, später unter anderem Staatssekretär im Kanzleramt. 1972 wurde er in Brandts Kabinett Minister für besondere Aufgaben, später übernahm er das Entwicklungsressort. 1976 übernahm er das Amt des Bundesgeschäftsführers der SPD.
Bis ins hohe Alter meldete sich Bahr immer wieder in öffentlichen Auftritten zu Wort, häufig in Fernseh-Talkshows. Noch Ende Juli war er in Moskau und sprach sich dort zusammen mit dem früheren sowjetischen Präsidenten Michail Gorbatschow für ein Ende der Entfremdung zwischen Deutschland und Russland in der Ukrainekrise aus. Bahrs Expertise war bis zuletzt gefragt.
Linken-Fraktionschef Gregor Gysi würdigte Bahr in einer Erklärung als „hochintelligenten, einfühlsamen und rhetorisch sehr begabten Politiker“. Bahr habe sich selbst zunächst als „Kalten Krieger“ gesehen; Dann sei er für geregelte vernünftige Beziehungen zur Sowjetunion, zu ganz Osteuropa einschließlich der DDR eingetreten, schrieb Gysi.
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