Rupprechter sieht „Ausnahmesituation“ bei Milch- und Schweinepreisen
Wien (APA) - Der Preisverfall bei Milch und Schweinefleisch lässt bei Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter (ÖVP) die Alarmglocken läute...
Wien (APA) - Der Preisverfall bei Milch und Schweinefleisch lässt bei Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter (ÖVP) die Alarmglocken läuten. „Wir haben sicherlich eine Ausnahmesituation im Milch- und Schweinesektor“, sagte Rupprechter der „BauernZeitung“. Die Auswirkungen des Russland-Embargos seien noch spürbar. Als problematisch für die Betriebe bezeichnete er den starken Milchpreisrückgang im 1. Halbjahr.
Die aktuellen Niedrigpreise bei Schweinefleisch sieht Rupprechter vor allem verursacht durch die sommerliche Hitze und die Schwemme von deutschem Schweinefleisch nach dem Ende der von der EU geförderten Lagerhaltungsperiode.
Der oberösterreichische Agrar-Landesrat Max Hiegelsberger (ÖVP) hatte gestern davor gewarnt, dass viele Schweinebauern aufgrund des Preisverfalls in den kommenden Jahren möglicherweise zusperren müssten. Die Betriebe könnten ihre Produktionskosten immer weniger decken und Verluste machen. Ein Betrieb mit etwa 100 Schweinen würde heuer etwa ein Minus von 30.000 Euro einfahren, voriges Jahr waren es noch rund 14.000 Euro.
Rupprechter fordert nun von EU-Agrarkommissar Phil Hogan ein umfassendes Maßnahmenpaket für den Milch- und Schweinesektor, vor allem weil die Russland-Krise nicht von der Landwirtschaft ausgelöst wurde. „Die Landwirte sind die Hauptbetroffenen eines Embargos, das die Reaktion auf eine Entscheidung des Europäischen Rates war. Daher ist es auch eine europäische Aufgabe, Antworten auf diese Marktkrise zu finden“, sagte der Landwirtschaftsminister im Interview mit der „BauernZeitung“. Marktentlastungsmaßnahmen seien erforderlich.
Unter anderem drängt der Landwirtschaftsminister auf eine Unterstützung des Exports in Drittländer mithilfe „massiver Marktpromotion“. Erneut forderte er auch, den österreichischen Bauern die EU-Strafe für die Überlieferung der Milchquote im Jahr 2014/15 von 45 Mio. Euro zu erlassen. Ende März wurde der EU-Milchmarkt liberalisiert und die Milchquoten abgeschafft. Seitdem kann jeder Bauer in der EU so viel Milch produzieren, wie er will.
Der Obmann der IG-Fleisch und Team-Stronach-Nationalratsabgeordnete Leo Steinbichler kritisierte indes am Donnerstag in einer Aussendung angesichts des Schweinepreisverfalls die Bauernbund- und Landwirtschaftskammerfunktionäre. Der Verweis auf den schwierigen europäischen Markt und den Wegfall der Russland-Exporte sei eine „billige Ausrede“ um von „ihrem eigenen Versagen abzulenken“.
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