Tirol

Innsbruck: Flucht aus Ziegelstadl verhindert

Auch in Innsbruck soll das Personal im Zieglstadl aufgestockt werden.
© TT/Thomas Böhm

Ein vereitelter Ausbruchsversuch aus der Justizanstalt beschäftigt die Polizei. Die Beamten fahnden nach zwei Helfern.

Von Thomas Hörmann

Innsbruck –Wer hat eine Flex und eine drei Meter lange Stange über die Mauer der Innsbrucker Justizanstalt geworfen? Diese Frage beschäftigt seit mehreren Wochen die Innsbrucker Polizei. „Wir besitzen zwar Videoaufnahmen und kennen die Spitznamen der Verdächtigen, konnten sie aber noch nicht ausforschen“, sagt Ernst Kranebitter von der Innsbrucker Kripo.

Wie die Ermittlungen ergaben, wollten zwei Nordafrikaner im Sommer offenbar einen Landsmann befreien. In der Mittagszeit warfen die Männer zunächst einen Winkelschleifer über einen Zaun und eine Mauer ins Freigelände des Ziegelstadls. „Dazu war ein Acht-Meter-Wurf nötig“, erinnert sich Raimund Höß, stv. Leiter der Justizanstalt. Wenig später kehrten die Männer in Begleitung einer jungen Frau zurück. Diesmal war’s eine drei Meter lange Stange, die die Helfer über die Mauer warfen. Der Zweck des Holzstücks ist nicht restlos geklärt. Die Ermittler schließen nicht aus, dass die Stange als Kletterbehelf oder für einen Stabhochsprung gedacht war.

Die Bemühungen der Helfer blieben fruchtlos – Justizwache-Beamte entdeckten die Ausbruchswerkzeuge, noch ehe sie ein Häftling an sich nehmen konnte. Zunächst war auch unklar, für wen der Winkelschleifer und die Stange gedacht waren. Das änderte sich bereits am nächsten Tag, als eine junge Frau einen inhaftierten Nordafrikaner im Ziegelstadl besuchen wollte. Wie aufmerksame Wachebeamte feststellten, handelte es sich um jenes Mädchen, das am Vortag mit den beiden Männern und der Stange vor der Mauer der Justizanstalt aufgetaucht war. Das bewiesen die Videoaufnahmen.

Entsprechend liegt der Verdacht nahe, dass die Ausbruchswerkzeuge für den Nordafrikaner bestimmt waren. Ins Bild passt auch, dass der zu einer langjährigen Gefängnisstrafe verurteilte Mann kurz vor seiner Überstellung in eine Haftanstalt für schwere Fälle in Ostösterreich stand. Um einen weiteren möglichen Fluchtversuch zu verhindern, zogen die Behörden die Verlegung des Mannes in das Hochsicherheitsgefängnis vor.

Raimund Höß glaubt allerdings nicht, dass der Winkelschleifer und die Stange den Weg in die Freiheit ebnen hätten können. „Um den Spezialstahl und die Betonlamellen vor den Fenstern der Hafträume überwinden zu können, braucht’s mehr als eine kleine Flex.“ Übrigens soll bald ein zusätzlicher Zaun das Freigelände absichern.