Riesenbetrügerei um Weine
Italienische Restaurants sollen 658 Flaschen als Hehlerware übernommen haben.
Von Reinhard Fellner
Innsbruck –Weine werden nicht nur im Internet immer öfter Gegenstand von Betrügereien. Gestern am Landesgericht ging es allerdings nicht um Fusel in edlen Flaschen. Laut Staatsanwältin Andrea Walder hatte ein findiger 38-Jähriger über eine von ihm kontrollierte Firma bei Weinkellereien Weine für 60.000 Euro bestellt und nur ein einziges Mal eine vertrauensbildende Erstzahlung geleistet. Laut Anklage sollen die edlen Tropfen dann vom Frachtenbahnhof zu zwei bekannten italienischen Lokalen in Innsbruck geliefert worden sein – insgesamt 658 Flaschen. Viele von ihnen konnten von der Polizei noch sichergestellt werden.
Zwei vorbestrafte Italiener mussten sich deshalb vor Richterin Verena Offer wegen Hehlerei verantworten und müssen bis zu zwei Jahre Haft fürchten. Sie beteuerten, ohne Verdacht gekauft zu haben.
Neben ihnen saß jener 33-Jährige, der den Wein teilweise in einem Baulieferwagen angeliefert hatte. Wegen schweren gewerbsmäßigen Betruges drohen dem Ex-Caterer ein bis zehn Jahre Haft – und dennoch reiht sich der Mann als Opfer zwischen die geprellten Weinhandlungen.
War der seit Jahren in psychiatrischer Behandlung stehende 33-Jährige doch Werkzeug des 38-Jährigen. In einer Organisation für Menschen mit psychischen Problemen hatte der Jüngere den kerngesunden Älteren getroffen. Dieser hatte in dem labil-depressiven und leichtgläubigen Mann dann sofort ein passendes Werkzeug erkannt. Schon wenig später war der 33-jährige Geschäftsführer einer Firma geworden, die er über Anleitung des 38-Jährigen für einen Euro übernommen hatte. Nicht übernehmen durfte der „Chef“ aber leider die Bankomatkarte des Firmenkontos. Auch sonst war klar, wer der eigentliche Boss war. Verteidiger Franz Harthaller: „Mein Mandant bekam ja keinen Cent. Also ist er entweder komplett bescheuert oder konnte das Tun seines Partners aufgrund seiner psychischen Probleme einfach nicht einschätzen!“
Der 38-Jährige kam übrigens nicht zum Prozess. Bandscheibenprobleme sollen ihn anscheinend an den Gardasee getrieben haben. Richterin Offer drohte deshalb mit internationalem Haftbefehl. Der Prozess wird bis in den Oktober dauern.