Tirols Industrie trommelt für mehr Gehör im Land
Tirols Industrie fühlt sich zu wenig wahrgenommen: Sie fordert mehr Flächen zum Firmenausbau und kritisiert Debatte um Arbeitszeitverkürzung.
Innsbruck –Die Tiroler Industriebetriebe sehen sich offenbar vom Tourismus in den Schatten gedrängt. „Die Wahrnehmung der Industrie ist hinter andere Bereiche wie den Tourismus zurückgefallen“, beklagte gestern Hermann Lindner, Vizepräsident der Industriellenvereinigung (IV) und Spartenobmann in der Wirtschaftskammer Tirol. Dabei sei der produzierende Bereich ein wesentlicher Faktor für die Tiroler Wirtschaft, entsprechend fordert die Industrie auch Gehör ein. Im Konflikt rund um die Ausweisung roter Zonen in Tirol, die nicht bebaut werden dürfen, brauche es dringend eine Lösung. „Betriebe müssen Flächen zur Verfügung haben, um wachsen zu können“, so Lindner. Beim sektoralen Lkw-Fahrverbot, das im Frühjahr 2016 wieder kommen soll, müsse es Ausnahmen für Betriebe geben. Ebenso nötig sei eine taugliche Verkehrsanbindung ins Außerfern.
Tirols Industrie trage fast ein Drittel zur regionalen Bruttowertschöpfung bei, betonten die Industrievertreter. Die Bruttowertschöpfung je Beschäftigter liege mit 92.000 Euro knapp 50 % über dem Schnitt der gesamten Tiroler Wirtschaft (62.000). Die Arbeitsproduktivität sei laut einer von der IV in Auftrag gegebenen Studie zwischen dem Jahr 2002 und dem Jahr 2012 (den letzten verfügbaren Zahlen) um fast 40 % gestiegen, während die Produktivität im Dienstleistungssektor – dem auch der Tourismus zuzuordnen ist – im selben Zeitraum hingegen nur um 22 % wuchs. Die knapp 41.000 Beschäftigten in der Tiroler Industrie würden im Schnitt rund 37.600 Euro brutto im Jahr verdienen – mehr als der Schnitt aller anderen Branchen. „Tirol ist ein guter Industriestandort, aber wir brauchen die Rückendeckung von Land und Bund, damit das so bleibt“, fordert IV-Präsident Reinhard Schretter. Die diskutierte Arbeitszeitverkürzung auf eine 35-Stunden-Woche sei der falsche Schritt. Schließlich sei Österreich zuletzt in sämtlichen Standortranglisten abgerutscht.
Derzeit befinde sich die Konjunktur in einer Stagnation, meint Lindner. Aufgrund der labilen Wirtschaftslage in China, der Krise in Griechenland oder der Flüchtlingsproblematik in Europa seien auch Tirols Industriebetriebe verunsichert. (mas)
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