Flüchtlinge- Paris und London wollen Kampf gegen Schlepper verstärken
Calais/London (APA/AFP) - Frankreich und Großbritannien wollen angesichts der Flüchtlingskrise am Ärmelkanal den Eurotunnel besser sichern u...
Calais/London (APA/AFP) - Frankreich und Großbritannien wollen angesichts der Flüchtlingskrise am Ärmelkanal den Eurotunnel besser sichern und den Kampf gegen Schlepperer verstärken. Zugleich vereinbarten der französische Innenminister Bernard Cazeneuve und seine britische Kollegin Theresa May am Donnerstag in der Hafenstadt Calais, mehr Hilfen für in Nordfrankreich gestrandete Flüchtlinge bereitzustellen.
Cazeneuve und May unterzeichneten in Calais eine Vereinbarung zum gemeinsamen Vorgehen in der Flüchtlingskrise. Vorgesehen ist unter anderem die Einrichtung eines gemeinsames Kommando- und Kontrollzentrums im Kampf gegen Schlepper in Calais. Die in dem Zentrum zusammenarbeitenden französischen und britischen Dienste sollen Informationen zu Schleppern sammeln und auswerten und das gemeinsame Vorgehen gegen die „kriminellen Aktivitäten“ der Banden koordinieren. Sowohl auf französischer wie auf britischer Seite soll zudem ein „hoher Verantwortlicher“ im Kampf gegen Schlepperbanden ernannt werden.
Die Sicherheitsmaßnahmen am Hafen von Calais und am Eingang zum Eurotunnel auf französischer Seite sollen weiter verstärkt werden. Dazu sollen „zusätzliche Mittel“ bereitgestellt werden, wie es in der Vereinbarung heißt. Die britische Regierung wird unter anderem die Einrichtung eines neuen Überwachungsraums für den Eurotunnel finanzieren.
„Nötig ist ein sehr starkes Signal hier in Calais, dass man nicht einfach so die Grenze überqueren kann“, sagte Cazeneuve bei einem Besuch des Eurotunnel-Geländes in Coquelles nahe Calais an der Seite von May. Schlepperbanden müssten wissen, „dass in Calais keine (illegale) Grenzüberquerung möglich ist“. Am Abend will Cazeneuve in Berlin mit dem deutschen Innenminister Thomas de Maiziere beraten.
In Calais sind tausende Flüchtlinge gestrandet, die auf ein besseres Leben in Großbritannien hoffen. Täglich versuchen zahlreiche Flüchtlinge, auf Fähren oder durch den Eurotunnel nach Großbritannien zu gelangen. Auf dem Höhepunkt der Krise wurden Ende Juli am Eurotunnel pro Nacht teils mehr als 2.000 Fluchtversuche gezählt. Nachdem Paris und Großbritannien aber neue Absperrzäune errichteten und mehr Polizisten nach Calais schickten, sank die Zahl deutlich, auf zwischen hundert und zweihundert pro Nacht.
Bei den gefährlichen Fluchtversuchen kommen immer wieder Flüchtlinge ums Leben, seit Anfang Juni gab es rund zehn Todesfälle. Menschenrechtsvertreter haben zudem wiederholt die Zustände in dem improvisierten Flüchtlingslager „Neuer Dschungel“ kritisiert, in dem die meisten der rund 3.000 in Calais gestrandeten Flüchtlinge leben.
Cazeneuve und May vereinbarten am Donnerstag mehr Hilfen für die Flüchtlinge in Nordfrankreich. London sagte über zwei Jahre zehn Millionen Euro zu. Das Geld soll unter anderem in neue Flüchtlingsunterkünfte fließen, die aber „in einer beträchtlichen Distanz zu Calais“ entstehen sollen. Besonders gefährdete Flüchtlinge wie Frauen und Kinder sollen besser geschützt werden. Zugleich sollen Flüchtlinge mit Hilfsprogrammen zu einer Rückkehr in ihre Heimatländer bewegt werden.
Frankreich und Großbritannien mahnten erneut eine engere europäische Zusammenarbeit in der Flüchtlingskrise an. Cazeneuve sagte, er werde Ende August mit dem französischen Premierminister Manuel Valls sowie dem für Migration zuständigen EU-Kommissar Dimitris Avramopoulos und dem stellvertretenden Vorsitzenden der EU-Kommission, Frans Timmermans, nach Calais zurückkehren. Bereits am Donnerstagabend will Cazeneuve nach Berlin reisen, um mit seinem deutschen Kollegen de Maiziere über die Flüchtlingskrise zu beraten.
Der Umgang mit der Flüchtlingskrise hatte in den vergangenen Wochen auch zu gegenseitigen Vorwürfen zwischen Frankreich und Großbritannien geführt. Insbesondere französische Politiker warfen London vor, angesichts des Flüchtlingsandrangs nicht entschieden genug zu handeln.
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