Frequency: Konzertgenuss als Schulausflug - „nur ein bisschen wilder“
St. Pölten (APA) - Ein Festival als Schulausflug: Für viele wohl ein passender Vergleich, den Philipp Szalay am Donnerstagnachmittag beim di...
St. Pölten (APA) - Ein Festival als Schulausflug: Für viele wohl ein passender Vergleich, den Philipp Szalay am Donnerstagnachmittag beim diesjährigen Frequency in St. Pölten anstellte. „Es hat schon eine andere Energie.“ Mit seiner Band Farewell Dear Ghost lieferte der Grazer auf der Green Stage eine packende Show, bevor es mit Auftritten von Truckfighters, Bad Religion oder The Script in Richtung Höhepunkt ging.
Wo man bei Clubshows nicht unbedingt neue Fans überzeugen müsse, sei genau dies bei Festivals der Fall, erklärten Szalay und Konsorten im Gespräch mit der APA. „Ich vergleiche es immer mit einem Ferienlager oder einem Schulausflug, nur ein bisschen wilder“, lachte der Sänger und Gitarrist, der die Band vor einigen Jahren noch als Soloprojekt gestartet hatte. Nun ist man zum Quartett angewachsen und arbeitet gerade an der Nachfolge-EP zum Debüt „We Colour The Night“ (2013). Eine Single soll bereits im Herbst erscheinen, als Veröffentlichungsdatum für den Tonträger peile man Anfang 2016 an.
Vor allem unter freiem Himmel und aufgrund des engen Zeitplans müsse man als Musiker seine „Soundansprüche runterschrauben“, gab Gitarrist Alex Hackl zu verstehen. „Du musst so weit sein, dass du von dem weg gehen kannst und trotzdem deine Show machst. Das haben wir heute ganz gut geschafft.“ Mit ihrem teils melancholischen, teils durchaus zupackenden Indie-Rock haben Farewell Dear Ghost diesen Anspruch jedenfalls erfüllt. Davon, dass viele Festivalbesucher die Musik nur als Nebensache betrachten würden, hält das Quartett eher wenig. „Da ist jedes Festival gleich“, so Schlagzeuger Andreas Födinger. „Es gibt die Leute, die da sind, um zu feiern. Und dann gibt es trotzdem noch jene, die gute Konzerte sehen wollen. Und die wird es immer geben.“ Davon abgesehen sei das Frequency „eine Institution in Österreich“.
In den Genuss, ein Teil davon zu sein, kam am Abend auch die australische Sängerin Courtney Barnett. Die Endzwanzigerin spielte auf der Weekender-Stage auch Stücke ihres im Frühjahr erschienenen Debüts „Sometimes I Sit and Think, and Sometimes I Just Sit“, pendelnd zwischen Folk und Indie-Rock, dabei stets mit spitzfindigen Texten überzeugend. „Ich spiele Gitarre, seit ich zehn bin“, erzählte sie der APA über ihre musikalischen Wurzeln. „Davor sah ich meinen Bruder und seine Freunde in unserer Garage in einer Band spielen. Das gefiel mir. Die echten Instrumente und all das direkt vor der Nase zu haben, war sehr wichtig für mich.“
Gut eineinhalb Jahrzehnte später ist aus dem kleinen Mädchen eine höchst erfolgreiche Musikerin mit eigenem Label geworden. „Ich wollte eine nachhaltige Karriere aufbauen, anstatt daneben einen beschissenen Job zu machen“, erläuterte Barnett diesen Schritt. „Dabei ging es nicht um einen großen Plattendeal, sondern nur genug Geld für meine nächste CD. Und das hat zum Glück funktioniert“, lachte sie. „Außerdem ist mir diese Unabhängigkeit wichtig. Ich hatte genug davon, für andere Leute bedeutungslose Dinge zu machen.“
Wenn es darum geht, für seine Überzeugungen einzutreten, dann sind Bad Religion wohl ebenfalls als Institution zu bezeichnen. Die stets politisch veranlagte Punkrock-Band um Sänger Greg Graffin ist zwar optisch sichtlich in die Jahre gekommen, aber Klassiker wie der „Punk Rock Song“ werden auch anno 2015 noch abgefeiert wie zu den besten Zeiten der Gruppe. So kann man in Würde altern. Das ist auch den schwedischen Truckfighters zu wünschen, die ebenso wie die US-amerikanische Gruppe The Districts vor allem durch eine enorme Soundwand zu punkten wusste. Wo die ersten dabei ganz dem Stoner Rock verpflichtet sind, gaben Rob Grote und Co die Unnahbaren, Folk und Grunge gleichermaßen zitierend und dabei ganz in ihrer Musik versunken.
Und auch wenn wettertechnisch der Höhepunkt des Frequency noch auf sich warten lässt, leidet die Stimmung der Besucher darunter kaum. Bereits am ersten Tag ist die Motivation der Fans trotz dicker Wolkendecke und fehlendem Sonnenschein ungebremst und der Campingplatz voll. Dass die Zelte aufgrund des anhaltenden Regens am Vormittag teilweise im Schlamm stehen, schien niemanden zu stören und so haben sich auch die letzten Ankömmlinge für heute bereits häuslich eingerichtet. Wie immer ist das Publikum bunt gemischt und die Outfits teils recht spektakulär, wobei vor allem Tierkostüme wieder hoch im Kurs zu stehen scheinen.
Aus kulinarischer Sicht wird anlässlich des 15-jährigen Jubiläums in diesem Jahr einiges geboten: So dürfen nicht nur die Herzen der Junkfood-Liebhaber höherschlagen, sondern werden auch feineren Gaumen ausreichend Möglichkeiten geboten, sich durchzukosten. Im Outer Space neben der Mainstage warten neben französischen Bistro- und Wiener Kaffeehausspezialitäten auch Räucherlachs und Calamari sowie frisch gezapftes Bier auf die Besucher. Zusätzlich wurden 500 Sitzgelegenheiten geschaffen, die schon jetzt von Fans genutzt werden, die den Acts lieber im Sitzen zuhören. Spätestens bei den Chemical Brothers und Casper zum Finale wird aber wohl der Großteil wieder auf seinen Beinen sein.
(S E R V I C E - www.frequency.at)
Kommentare