Salzburger Festspiele - Neue Kontraste und alte Trophäen bei der Oper
Salzburg (APA) - Es war kein üppiger, aber auch kein schlechter Jahrgang für die Oper in Salzburg. Das Dreigestirn der Festspiel-Neuprodukti...
Salzburg (APA) - Es war kein üppiger, aber auch kein schlechter Jahrgang für die Oper in Salzburg. Das Dreigestirn der Festspiel-Neuproduktionen - „Mexico“, „Figaro“ und „Fidelio“ - zeigte geradezu konträre, aber auch höchst gangbare Wege zum Erlebnis Musiktheater auf, erntete teils Begeisterung, meist immerhin Anerkennung. Allein: Mit den glanzvollen Wiederaufnahmen des Sommers konnte man nicht mithalten.
Mit dem „Rosenkavalier“, der gestern, Donnerstag, Abend Wiederaufnahme feierte, ist der szenische Reigen komplett. Die Harry Kupfer-Inszenierung aus dem Vorjahr wird wohl auch heuer wieder zu den Lieblingen des Festspielpublikums gehören - neben Verdis „Il trovatore“, der Anna Netrebko in der Inszenierung von Alvis Hermanis erneut brillieren ließ und den beiden Cecilia Bartoli-Rennern „Norma“ und „Iphigenie en Tauride“ hat man damit immerhin bewiesen, aus dem Fundus der Pereira-Jahre die richtigen Trophäen geholt zu haben. So weit, so glamourös - und so erwartbar.
Die größte Überraschung war zweifelsohne der erste und gewagteste Streich: Dass Peter Konwitschny aus Wolfgang Rihms komplexem Operngebilde „Die Eroberung von Mexico“ - von vielen als bizarre Wahl für die Eröffnung gescholten - einen fast schon süffigen Publikumserfolg destillierte, durfte verblüffen. Kein Buh trübte das Salzburger Debüt des einstigen Enfant terribles; seine höchst plakative Lesart der ursprünglich surrealen Oper war so schlüssig und unzweifelhaft, dass Selberdenker sich gar bevormundet fühlen konnten. Im Feuilleton dominierte allerdings die Begeisterung für die „grandiose Produktion“ („Neue Zürcher Zeitung“) und das „durchgehend bannende Klangraumtheater“ („Süddeutsche“), nicht zuletzt wegen der musikalischen Spitzenleistung des Radio Symphonieorchesters unter Ingo Metzmacher.
Nur zwei Tage später der andere Pol: Gar nicht interpretiert hat Sven-Eric Bechtolf, der mit dem „Figaro“ seinen Da Ponte-Zyklus vollendete. Aber er hat höchst kunstvoll in Szene gesetzt, flott organisiert und schmunzelnd arrangiert und damit - auch dank des flinken Dan Ettinger am Philharmoniker-Pult - endlich die breite Zustimmung beim Publikum geerntet, die ihm für „Cosi“ und „Don Giovanni“ in den Vorjahren verwehrt geblieben war. Freilich macht man Mozart in Salzburg nicht ohne Prügel: die Presse beanstandete die „Mozart-Sitcom“ („Kronenzeitung“), die fehlende „tiefgründige Interpretation“ („Kurier“), und das ausbleibende „anspruchsvolle Festspielerlebnis“ („Salzburger Nachrichten“). Im nächsten Jahr wird die Trilogie vollständig wiederaufgenommen. Um das zu rechtfertigen, hätte dieser „Figaro“ tatsächlich außergewöhnlicher sein müssen.
Aber auch die Radikalkur zerschellte an überhohen Erwartungen. Der heurige „Fidelio“ war ein klassischer Claus Guth: reduziert, fast bis zur Unkenntlichkeit, konzentriert auf die Musik, kühl im Ambiente. Jonas Kaufmann bot eine große Performance als hoffnungslos zerstörter Florestan, Franz Welser-Möst lieferte eine noch größere Performance als fanatisch genauer Beethoven-Interpret. Viele richtige Zutaten - und doch nicht das satte, vollendete Opernerlebnis, das sich in monatelang ausverkauften Vorstellungen und aufwendiger ORF-Aufzeichnung angekündigt hatte. Guths Regiekonzept war klug - blieb aber über weite Strecken Konzept („Ein klarer Fall von Betriebsblindheit“ urteilte die „TAZ“) und wurde von den Enttäuschten über die Maßen ausgebuht.
Wer mit nur drei Produktionen auf eine einwandfreie künstlerische Bilanz zielt, dem darf aber auch gar nichts daneben gehen - das ist nicht geglückt. Und: Wer dazu besonders Gelungenes wieder aufnimmt, legt die Latte für das Neue erst recht hoch. Immerhin ist es aber gelungen, mit nur drei Stücken einen spannenden und kontrastreichen Querschnitt durch die aktuelle Operninterpretation zu ziehen. Und selbst, wo sich die szenische Bilanz durchwachsen ausnimmt - musikalisch gab es viel zu feiern. Erst recht wenn man die konzertanten Abende dazuzählt: Das Sängerfest des „Werther“, die feine Rarität „Dido and Aeneas“ sowie „Ernani“ unter Riccardo Muti - einzig noch ausstehend in der letzten Festspielwoche.
(S E R V I C E - http://www.salzburgerfestspiele.at)
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