Postkarten

75.000 Postkarten online: Alte Ansichten im digitalen Kleid

Aus allen Teilen Tirols finden sich über 70 Jahre alte Ansichtskarten im neuen Portal der Nationalbibliothek, wie etwa die alte Hungerburgbahn mit Mariabrunn (ohne Jahresangabe).
© AKON/ÖNB

Dagegen sehen neu verschickte Urlaubsgrüße ganz schön alt aus: Die Österreichische Nationalbibliothek hat 75.000 alte Ansichtskarten digitalisiert und ins Internet gestellt. Die sehenswerten Stücke gehen um die Welt.

Von Deborah Darnhofer

Innsbruck, Wien – Schreibfaule Mitarbeiter sah der Generaldirektor der Österreichischen Nationalbibliothek (ÖNB) nicht gern. Auf seine Anordnung hin mussten in den 1930er-Jahren die Bibliotheksangestellten von jedem Urlaubsort Ansichtskarten verschicken. Die Kosten dafür wurden ihnen erstattet. Wer über diese Anekdote nur den Kopf schüttelt, der hat das Ansichtskarten-Portal der ÖNB (AKON) noch nicht erkundet.

75.000 Ansichtskarten, allesamt mindestens 70 Jahre alt, können im Internet angesehen, ausgedruckt und auch wieder verschickt werden – per E-Mail oder Post. Die Motive reichen von A wie Australien bis Z wie Zürich. Aus aller Herren Länder gibt es auf Papier festgehaltene Urlaubsidylle. „Sehr überrascht war ich von einer Karte aus Neukaledonien im Pazifischen Ozean und jener aus Wladiwostok (einer russischen Großstadt am japanischen Meer, Anm.)“, sagt Historiker Jan Mokre, der Projektleiter des AKON-Portals.

Doch nicht nur die fleißigen Mitarbeiter der ÖNB haben am Kartenschatz ihren Anteil. Die Ambitionen des damaligen Generaldirektors seien damals „irgendwann eingeschlafen“, trotzdem füllen Hunderttausende Karten die Archive der Nationalbibliothek. „Wir können nicht eruieren, wie sie gesammelt wurden. Sie haben sich über 100 Jahre angesammelt.“

Das AKON-Portal

„AKON“

steht für „Ansichtskarten Online“ und ist das neue Online-Portal der Österreichischen Nationalbibliothek. 75.000 Ansichtskarten aus allen Teilen der Welt wurden dafür digitalisiert und stehen den Internetnutzern unter akon.onb.ac.at frei zur Verfügung.

Die Karten reichen von den Anfängen der illustrierten Postkarte Ende des 19. Jahrhunderts bis in die frühen 1940er-Jahre. Seit der Freischaltung am 24. Juli heurigen Jahres haben fast 60.000 Besucher etwas über 40.000 Ansichtskarten heruntergeladen.

Aus dem reichen Fundus, der den ganzen Globus umspannt, haben Mokre und zwei Mitarbeiter zwei Jahre lang die schönsten Ansichtskarten ausgewählt. Dabei wurde nach einem Kriterienkatalog verfahren. So datieren die Karten alle vor den 1940er-Jahren, denn das Urheberrecht sollte nicht verletzt werden und dieses erlischt in Österreich nach 70 Jahren. Außerdem waren die Orte, die Bildqualität und die Motive ausschlaggebend.

Alle digitalisierten Karten enthalten auch topographische Referenzen. Reine Landschaften, die keine ortstypischen Merkmale enthalten, wurden nicht aus ihrem Dornröschenschlaf geholt.

Von Tirol gibt es 3066 Ansichtskarten, eine Auswahl findet sich auf dieser Seite. Die meisten Motive stammen dabei aus Innsbruck (381), gefolgt von Kitzbühel (123) und Hall (119). „Früher war die Ansichtskarte ein gängiges Massenkommunikationsmedium, weil es keine Alternativen gab. Es wurde nicht so viel fotografiert. Fotoapparate waren unerschwinglich und eine Karte samt Porto günstiger“, schildert Mokre.

Außerdem war – und ist – sie noch immer ein rechteckiger Beleg für allerlei historische Geschehnisse. So wurden 1902 etwa, als der Markusturm in Venedig (die Campanile) einstürzte, Ansichtskarten mit dem Schutthaufen sofort gedruckt und verkauft, weiß der AKON-Projektleiter.

Ein Dorf habe sich außerdem einmal ein „modernes Image“ verpassen wollen und auf Karten mit dem Dorfkern kurzerhand Automobile hineingemalt. Denn eines ist auch klar: „Die meisten Ansichtskarten sollen eine geschönte Darstellung vermitteln und kommen damit auch dem Publikumsinteresse entgegen“, meint Mokre. Urlaubskitsch auf Papier.

Heutzutage sei die „große Zeit der Ansichtskarte“ aber vorbei. Es werde auch immer schwieriger, vernünftige Karten zu kaufen, meint der Historiker. „Auf den Ständern finden sich entweder ganz teure kunsthandwerkliche Karten oder normale Postkarten, die oft 20, 30 Jahre alt sind.“ Das findet Mokre nicht gerechtfertigt. „Das hätte es vor 100 Jahren nicht gegeben.“

So seien auch keine Karten mit modernen Gebäuden erhältlich. Doch gerade Architekten prägen die Landschaft, das Panorama einer Stadt und Dörfer entscheidend mit. „Sie setzen Landmarks (markante Punkte, Anm.)“, umschreibt es der Historiker, der selbst noch gerne an seine Eltern oder einen Freund Postkarten verschickt. An die Nationalbibliothek sind aber keine adressiert.

Das Projekt ist mit den 75.000 Stück abgeschlossen. „Man darf sich nicht erwarten, dass die eigenen Postkarten aufgenommen werden“, sagt Mokre. Es werde aber „laufend Korrekturen und neue Kommunikationsfeatures“ geben. Derzeit würden viele Hinweise zur Georeferenzierung eingehen. Diesen werde nachgegangen. Die Hinweisgeber sollten allerdings lieber ein E-Mail schreiben.

Die Pasterze am Großglockner (von 1939).

© AKON/ÖNB

Die alte Hungerburgbahn mit Mariabrunn (ohne Jahresangabe).

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Judenstein bei Rinn (von 1921).

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Hintersteinersee bei Scheffau (1925).

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Landeck (von 1929).

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Der Leutascher See (von 1924).

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Lienz mit Schloss Bruck (von 1913).

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St. Anton a. A. (ohne Jahresangabe).

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Die Jamtalhütte oberhalb von Galtür (vor 1905).

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