Tirol

Farben für die vergessenen syrischen Flüchtlingskinder

© Daum

Die Imster Künstlerin Dietlinde Bonnlander setzt sich auf selbstlose Weise für geflüchtete Kinder aus Syrien in den Nachbarländern ein.

Von Hubert Daum

Imst –Sie war ein 14-jähriges Mädchen, als sie 1945 eine der schlimmsten Situationen eines Kinderlebens miterleben musste: die Vertreibung von der Heimat. Zwischen der deutschen und russischen Front musste sie mit ihrer Familie aus Hinterpommern fliehen. Dieses prägende Erlebnis ließ die seit 1977 in Tirol lebende Künstlerin Dietlinde Bonnlander nie mehr los.

In der aktuellen Flüchtlingsberichterstattung fehlt ihr ein wichtiger Aspekt: „Rund drei Viertel der Asylwerber aus Syrien sind Männer, die diesen kräfteraubenden Trip zu uns schaffen. Die Frauen und Kinder dagegen flüchten in die Nachbarländer, etwa nach Jordanien, Libanon oder Irak. Also in Staaten, die selbst kaum etwas haben. Dort fristen sie ein unvorstellbares Leben.“ Der Drang zu helfen wurde so stark, dass Bonnlander Anfang 2014 das Hilfswerk „Kinder im Krieg“ zugunsten von syrischen Flüchtlingskindern (und ihren Müttern) ins Leben rief. Seit diesem Tag wurde die einst Vertriebene zur Getriebenen, diesen armen Geschöpfen zu helfen.

Die in Imst lebende Malerin und Schriftstellerin fand dafür mit „Nachbar in Not“ einen kongenialen Partner. „Die Mitarbeiter dieses Hilfswerkes sind vor Ort und wissen um die aktuelle Situation“, lobt die Künstlerin die Kooperation, „das gesamte Geld, das ich für Kinder im Krieg lukriere, geht also zu meinen Partnern, die es zielsicher dort einsetzen, wo es nötig ist.“ Seit also eineinhalb Jahren wird die 84-Jährige nicht müde, jede Gelegenheit zu nutzen, um Hilfsgelder zu sammeln: „Ich habe eine gewisse Glaubwürdigkeit erlangt und bekam schon von der Bruderschaft St. Christoph und sogar aus der Privatschatulle des Landeshauptmannes Unterstützung. Mir geht es ausschließlich um die Kinder im Krieg, meine Person ist völlig unwichtig.“ Die Hauptspendenquelle allerdings ist ihr künstlerisches Schaffen. Von jedem Bild, das sie verkauft, zwackt die Trägerin der Verdienstmedaille des Landes Tirol (2012) mindestens ein Viertel des Erlöses an ihr Hilfswerk ab. Und sie ist mit geschätzten 3000 geschaffenen Acrylbildern insgesamt immer noch eine Vielarbeiterin. Die letzte Ausstellung zugunsten „Kinder im Krieg“ in der Innsbrucker Galerie Bertrand Kass im vergangenen Juli war ebenso ein Erfolg wie die unzähligen Ausstellungen im Raum Imst.

Dietlinde Bonnlander gehört auch zu den Geschätzten der schreibenden Zunft, mehrere Literaturpreise beweisen dies. Das Herzstück (im wahrsten Sinne des Wortes) ist ihre Verarbeitung der Erlebnisse während der Vertreibung. „Aus dem Fluchttagebuch einer Vierzehnjährigen“ ist das Buch, das bei jeder Veranstaltung aufgelegt wird. Auch bei ihrer nächsten, der Eröffnung der neuen Räumlichkeiten der Lebenshilfe am Imster Postplatz am 10. September.