Sölden

Das lange Warten auf Bescheide

© TT-Jäger

Im Rennen um das Wasser aus dem hinteren Ötztal haben die E-Werke Sölden derzeit leicht die Nase gegenüber der Tiwag vorn.

Von Alexander Paschinger

Sölden –Seit Ende Juli haben die E-Werke Sölden die Bestätigung auf dem Tisch: Ihr geplantes Kraftwerk an der Gurgler Ache braucht keine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP). Die Höchstgerichte hatten schon vor eineinhalb Jahren diesem Projekt den Vorrang gegenüber der Ableitung des Wassers ins Kaunertal gegeben. Doch so richtig Freude will in Sölden noch nicht aufkommen: „Wir warten seit eineinhalb Jahren auf den wasserrechtlichen und den naturschutzrechtlichen Bescheid“, so Bürgermeister Ernst Schöpf.

Aus der Umweltabteilung des Landes heißt es dazu, dass der Bescheid nicht unmittelbar bevorstehe – das Gutachten sei noch nicht fertig. Dazu kommt, dass die Tiwag die Wirtschaftlichkeit des Sölder Kraftwerks stark in Zweifel zieht.

Schon seit Jahren erklärt Schöpf immer wieder, dass „das Ötztaler Wasser auch im Ötztal abgearbeitet“ werden müsse. „Das Ganze ist eine reine Verzögerungstaktik“, gerät der Obmann der Sölder E-Werke, Karl Riml, in den Saft. „Wir haben jetzt immer wieder Recht bekommen – und dann lässt man sich einfach neue Verordnungen wie den Oberländer Wasserrahmenplan einfallen.“

„Wir sind genauso im Verfahren wie die Sölder“, meint Kaunertal-Projektleiter Wolfgang Stroppa von der Tiwag. Dass es bei langen Verfahren zu „Änderungen der gesetzlichen Spielregeln kommt, ist da nur verständlich“. Irgendwann werde alles am Tisch liegen. Der Ball in der Entscheidung um das Ötztaler Wasser „liegt bei der Behörde“.

Anders als beim Gurgler Kraftwerk hat bei der Venter Ache die Tiwag die Nase ein wenig vorn: Diese geplante Wasserableitung schien bereits in der UVP-Einreichung der Tiwag 2012 offiziell auf. Ein Jahr später legten die Sölder mit einem Vorprojekt „KW Venter Ache“ nach.

Die Ötztaler bemühen sich aber auch auf einer moralisch-philosophischen Ebene: Am 2. Oktober findet im Universitätszentrum Obergurgl das Symposium „Ethische und gesellschaftliche Aspekte der Wasserkraftnutzung im Ötztal“ statt, das von den Unis Innsbruck und München beschickt wird. Die Moderation übernimmt Prof. Harald Lesch („Leschs Kosmos“).