Test

Die Löwen gewinnen den Biss zurück

Auf prachtvollen 18-Zöllern steht der Peugeot 308 SW, der mit sportlicher Abstimmung, kleinem Lenkrad, hoch situiertem Instrumentarium und großem Multimedia-Touchscreen gesegnet ist.
© Höscheler

Peugeot befindet sich wieder im Wachstum – Modelle wie der 308 SW schaffen Verständnis für den Aufschwung: Der Kompaktkombi ist hochwertig bestückt, attraktiv motorisiert und mit Gadgets verfeinert.

Von Markus Höscheler

Niederndorferberg –In den vergangenen Jahren zählte Peugeot zu den Verlierern in der Automobilbranche. Nicht alle Baureihen fanden beim Kunden Gefallen, einige Wachstumsmärkte fanden zu spät die erforderliche Aufmerksamkeit der Manager, und die Bilanz glühte mit Zahlen in Rot – etwa in jenem Rubin-Farbton, den auch unser neuer Dauertester, ein 308 SW, nach außen trägt. Dabei handelt es sich um die Langversion jenes Kompaktwagens, der 2014 von einer internationalen Jury zum „Car of the Year“ gewählt wurde. Die Entscheidung der Mitglieder ist im Nachhinein wenig überraschend, denn mit dem 308 haben die Franzosen neue­n Kampfgeist gezeigt und vor allem in technischer Hinsicht eine Aufholjagd gemeistert. Hätte die Löwenmarke dies nicht getan, wäre sie über kurz oder lang zumindest in diesem volumen­trächtigen Markt­abschnitt untergegangen.

Jenes Schicksal scheint abgewendet, im Großen wie im Kleinen/Kompakten. Was den ersten Teil der Betrachtung anbelangt, sei darauf verwiesen, dass PSA Peugeot Citroën im ersten Halbjahr einen Konzernumsatz im Ausmaß von 28,9 Milliarden Euro erzielte (plus 6,4 Prozent), außerdem ein Nettoergebnis von 720 Millionen Euro (764 Millionen Eur­o mehr als im Vorjahr). Bezüglich des zweiten Teils: Der 308 SW macht rundum Freud­e. Da ist zum Ersten die recht gediegene Formensprache mit dem glänzenden, nicht zu dick auftragenden Kühlergrill, den nach hinten ansteigenden Frontscheinwerfern, der leicht coupéförmigen Dachlinie und dem smarten Heckabschluss.

Zum Zweiten stoßen wir auf sehr nützliche Raumdimensionen – der 4,59 Meter lange Kombi kann mit 610 bis 1660 Liter Kofferraumvolumen zu Diensten sein, gleichermaßen großzügig fällt die Beinfreiheit vorne wie hinten aus. Selbst die Kopffreiheit genügt – trotz des Einbaus eines Panoramaglasdachs, das normalerweise dazu geeignet ist, für beengte Raumverhältnisse zu sorgen.

Wir dürfen zum Dritten Anerkennung zollen für die verwendeten Materialien und deren Zusammenfügung sowie deren Aufgeräumtheit. Sicher: Anfangs bedarf es der Gewöhnung an den Multifunktions-Touchscreen, der nicht nur bei Navigation und bei Audiosystemen zu bedienen ist, sondern auch bei der Einstellung der Zweizonen-Klimaautomatik mitsamt Belüftung. Die Einarbeitung gelingt jedoch schnell, ebenso die praktische Ausrichtung des kleinen Lenkrads, um die Sicht auf das Instrumentarium oberhalb des Lenkradkranzes zu ermöglichen. Die Digitalanzeigen sind klar ersichtlich, auch bei starkem Sonnenlicht.

Zum Vierten verdient der 1,2-Liter-Dreizylinder-Turbo­benzinmotor die Ehre einer Erwähnung. Er kann sich rasch entfalten, 130 PS und 230 Newtonmeter maximales Dreh­moment garantieren angenehme Beschleunigung; seine Zusammenarbeit mit der neue­n Sechsgangautomatik überzeugt auf Anhieb – das gilt erst recht in Verbindung mit der sportlichen Abstimmung dank der Option Driver Sport Pack. Der Testwagen, der in den nächsten Monaten den TT-Fuhrpark ergänzt, würde mit 32.407,70 Euro den Händler­schauraum verlassen. Bescheidener bestückt (Access-Basisausstattung) und motorisiert (82 PS), böte sich der 308 SW bereits ab 17.550 Euro an.

Peugeot feiert vier Jahrzehnte 604

Vor 40 Jahren enthüllte Peugeot erstmals die Luxuslimousine 604. Von dem Fahrzeug, das 4,72 Meter lang war, verkauften die Franzosen insgesamt 153.000 Einheiten. Für besondere Wünsche gab es vom Werk Heuliez eine Version mit einem um 62 Zentimeter verlängerten Radstand. Der 604 galt in seiner Zeit als überaus komfortabel, und so verweist der Hersteller auf die „repräsentative“ Funktion des Modells als Staatslimousine. (TT)