Korea beherrscht die Luxus-Kür
Mit dem Sorento schnuppert Kia bereits massiv im Oberklasse-Segment: Das Sport Utility Vehicle kann mit der gehobenen Platin-Ausstattung Skeptiker fahrbarer Asien-Fabrikate den Schneid abkaufen.
Von Markus Höscheler
Fügenberg –Zwei Dinge gelten bei Kia längst als abgehakt und vergessen: Vorbei sind die Zeiten glanzlosen Designs und des Angebots von Preisschnäppchen. Wer langweilig gezeichnete Autos möchte, die einfach zu bedienen sind und vergleichsweise wenig kosten, wird hier nicht fündig. Stattdessen strebt Kia verstärkt danach, eine brillante Optik mit einem hochwertigen Interieur zu verbinden. Das ist Kia schon mehrfach gelungen, seit Designer Peter Schreyer unternehmensintern das Zepter in der Hand hält. Eines der neuesten Beispiele ist die seit heuer neu am Markt befindliche Sorento-Generation, die technisch einiges mit dem Hyundai Santa Fe teilen darf, dafür in der Außendarstellung ein ganz anderes Bild vermittelt.
Keinesfalls kann von einem bescheidenen Auftritt gesprochen werden, schon gar nicht dann, wenn die höchste aller Ausstattungslinien – Platin – sich in den Fuhrpark bewegt. Der Kühlergrill mit dem mittig platzierten Kia-Logo fällt großformatig aus, erinnert ein wenig an die aktuell beworbene Jaguar-Front. Schlank und weit in die Seiten gezogen sind die Frontscheinwerfer, hier in Xenon-Ausführung eingebaut, Chromumrandung dominiert die überdurchschnittlich viel Platz beanspruchenden Nebelleuchten. In die großzügig geschnittenen Radhäuser passen mit Leichtigkeit 19-Zoll-Alufelgen, Platznot gibt es keine. Diese letzte Zuschreibung passt wie angegossen auf den Innenraum. Die (optionale) dritte Sitzreihe (1000 Euro extra) verschwindet im Kofferraumboden, damit entsteht ein Ladeabteil mit einem Volumen von 660 Litern. Sollte auch die zweite Sitzreihe irgendwelchem Transportgut weichen müssen, bieten sich 1732 Liter Kofferraum an.
Fein, dass die Kia-Verantwortlichen aber nicht nur an Sachbewegung gedacht haben, sondern auch an den Personenservice: Kopf- und Beinfreiheit sind erfreulich hoch ausgefallen. Dazu kommt eine gediegene Materialienauswahl, verbunden mit einer empfehlenswerten Verarbeitung. Die bereits erwähnte Platin-Wahl findet ihren Höhepunkt in der Volllederbezug. Unsere Aufmerksamkeit erhalten zudem die elektrisch mehrfach verstellbaren Vordersitze inklusive Belüftung und Heizung. Die erwärmbare Polsterung gibt es außerdem auch für die zweite Sitzreihe, auch eine Lenkradheizung kommt zum Zug (bereits Standard in der Gold-Ausstattung).
Der Sorento müht sich redlich, die Insassen bei Laune zu halten: Dafür dienlich sind eine unkompliziert zu bedienende Multimedia-Anlage samt 8-Zoll-Touchscreen, zehn Lautsprechern und Bluetooth-Anbindung, eine elektrisch zu betätigende Heckklappe, ein (aufpreispflichtiges) Panoramaglasdach inklusive Hubfunktion (1200 Euro extra) und eine Phalanx von Fahrerassistenzsystemen. Hier stoßen wir auf einen adaptiven Tempomaten, den 360-Grad-Around-View-Monitor, den Querverkehrsassistenten, den Totwinkelassistenten, den Fahrspurwarner und das adaptive Frontscheinwerfersystem – also Inhaltsstoffe, die aus der Oberklasse stammen.
Damit die Ansprüche nicht zu sehr ausufern, beschränkt Kia das Motoren-Angebot auf einen Vierzylinder-Turbodiesel mit 2,2 Litern Hubraum. 200 Pferdestärken und ein Nenndrehmoment von 441 Newtonmetern (ab 1750 Umdrehungen/Minute) haben die 1,9 Tonnen Eigengewicht gut im Griff, die Kraftentfaltung und die Laufkultur überzeugen, der Testverbrauch von 8,0 Litern je 100 Kilometer geht in Ordnung, zumal permanenter Allradantrieb und Sechsstufenautomatik eine Erschwerniszulage auslösen. Umso leichter fällt die Bedienung der Lenkung aus.
Etwas schwerer wiegt die Rechnung – Platin macht sich eben bemerkbar: Mit wenigstens 53.490 Euro rechnet hier der Verkäufer. Sollte er mit weniger Einnahmen kalkulieren, muss der Käufer Abstriche vor allem beim Interieur machen: Silber, glänzend genug, und manuelles Sechsganggetriebe lassen einen Erwerb ab 40.990 Euro zu – inklusive Allrad und 200-PS-Diesel.
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