Bentley Continental GT: Beim Eilen können wir verweilen
Der optimierte und aufgeladene W12-Benzinmotor macht den überarbeiteten Continental GT noch etwas schneller, noch eine Prise sparsamer und noch eine Spur interessanter.
Von Markus Höscheler
Mötz – Selbst wenn schon reichlich vorhanden ist – mehr geht immer. Um diesem Motto gerecht zu werden, hat die VW-Luxustochter Bentley im Frühjahr ihr Programm nachgeschärft, insbesondere den Continental GT optimiert. Den gibt es auf gemäßigten Wunsch mit einem „kleineren“ V8-Motor, nicht ganz so bescheidenen Geistern dient er sich mit einem W12-Aggregat an. Vor der Überarbeitung scheuchte das Triebwerk bei Bedarf 575 Pferde auf und stemmte ein maximales Drehmoment von 700 Newtonmetern. Gut, aber noch lange nicht gut genug, wie die Ingenieure im britischen Crewe befanden. Mit dem Facelift erhielt das 4,81 Meter lange Luxus-Coupé 15 zusätzliche Pferdestärken und ein Plus von 20 Newtonmetern. Das wirkt sich allerdings nur minimal bei der Höchstgeschwindigkeit aus: Sie steigt von 318 auf 319 km/h.
Mehr Augenmerk verdient ein anderes Detail beim Motor: Dank der neuen Cylinder-on-Demand-Technologie schaltet die Motorsteuerung im Teillastbetrieb ein halbes Dutzend Zylinder ab, um Treibstoff zu sparen und den Ausstoß von CO2 zu reduzieren. All das hindert den mit einer nahezu unmerklich und zielsicher schaltenden Achtgangautomatik Continental GT aber nicht daran, das Weite zu suchen, sofern der Fahrer genau danach verlangt: In 4,5 Sekunden beschleunigt der doch recht schwere (2,3 Tonnen) Zweitürer von null auf 100 km/h.
Besonders auffällig sind zwei Verhaltensweisen des Fahrzeugs: Die erste ist das über die Maßen komfortable Fahrwerk, das Unebenheiten zuhauf schluckt, auch wenn die Bereifung eher dem Niederquerschnitt huldigt. Die Fahrwerksabstimmung samt Luftfederung winkt mit vier Stufen, wobei die sportlichste Einstellung keinesfalls mit straff zu verwechseln ist, sondern über ausreichend Restkomfort verfügt.
Den zweiten Aspekt füllt das Allradsystem aus, das permanent an der Arbeit ist und mit der Grundverteilung von 40:60 (Vorderachse zu Hinterachse) an den Start geht. Es sorgt für sorgenfreie Traktion im Kurvengeläuf, bei sehr forschem Slalomverlauf, verbunden mit der Sportstellung der Automatik, variiert die Zuteilung des Drehmoments im Ausmaß von 15:85 bis 65:35. Auf dem gewöhnlichen Straßenasphalt reicht das, zur Not springt das dreistufige elektronische Stabilitätsprogramm ein, um unfreiwillige Fahrmanöver zu unterbinden.
Die Fahreigenschaften sind nicht die einzigen, mit denen der GT beweisen kann. Die Materialienauswahl und ihre Verarbeitung sind sehr gediegen, Leder und Holz sowie eine Breitling-Analoguhr dominieren das Interieur. Wir erlauben uns, die Empfehlung abzugeben, einen der beiden vorderen Plätze einzunehmen, hinten gibt es für Erwachsene nicht das erforderliche Raumangebot für längere Strecken.
Auf ebendiesen kann sich die optionale Naim-Soundanlage mit elf Lautsprechern in Szene setzen. Feinspitze mögen sich an der anfangs eher umständlichen Smartphone-Anbindung via Lenkradtasten (geht nur im Stillstand) oder am tief sitzenden Touchscreen stören – an der Exklusivität des Continental GT können sie nicht rütteln.
Der Kauf eines W12 nötigt aber zu einem überdurchschnittlich soliden finanziellen Hintergrund. Mit der Grundausstattung sind mindestens 253.880 Euro fällig, weitere Optionen wie Keramikbremsen mit schwarzen Bremssätteln, 21-Zoll-Leichtmetallfelgen und eine Rückfahrkamera können beim Ankreuzen zu einer Erhöhung des geforderten Betrages führen. Eine Verringerung ist gleichfalls möglich: Wer sich mit einem V8-Benzinmotor, ebenfalls aufgeladen, begnügt, darf „nur“ auf 507 Pferde zählen und muss „nur“ 226.180 Euro zahlen. Manchmal geht eben auch weniger.
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