Civic Tourer: Hondas Ufo mit Parade-Rucksack
Zukunftsweisend ist die Formensprache des Civic Tourer nach seinem erfolgten Facelift, vielversprechend verhält sich sein neuer 1,6-Liter-Vierzylinder-Turbodiesel, verblüffend bleibt sein Raumangebot.
Von Markus Höscheler
Toblach – Vor einigen Jahren sah das Programm von Honda deutlich anders aus: Die Japaner forcierten quasi rund um die Uhr die Entwicklung alternativer Antriebe, insbesondere die Kombination von Elektro- und Benzinmotoren. Den Civic bot Honda an, den Insight, den CR-Z und den Jazz. Die sind von der europäischen Bildfläche bis auf den Letztgenannten verschwunden, dafür reicht Honda Neuartiges nach, wenngleich mit konventionellem Verbrenner betrieben.
Eigentlich doppelt frisch ist im Sortiment der Civic Tourer. Dem 4,59 Meter langen Kompaktkombi gewähren die Asiaten hierzulande erst seit 2013 einen nachhaltigen Auftritt in den Händler-Schauräumen, schon heuer kam er in den Genuss einer moderaten Überarbeitung.
Das Facelift bescherte dem Langheck einige feine Korrekturen, am insgesamt spacigen Auftritt hat der Feinschliff aber nichts geändert. Es bleibt bei den scharf geschnittenen Frontscheinwerfern und den dreidimensional herausstehenden Rückleuchten, die durchgehend über die Heckbreite miteinander verbunden sind. Die Fondtüren beherbergen die Türgriffe gut getarnt im Fensterrahmen, was dem Fahrzeug ebenso Coupé-Elemente verleiht wie die hinten abfallende Dachlinie. Von der darf sich der Betrachter aber nicht zu sehr beeindrucken lassen, sollte er deswegen auf ein kleineres Ladeabteil schließen. Täte er das, irrte er sich sehr, denn brutto kann der Civic Tourer mit segmentsprengenden 1668 Litern prahlen, netto sind es imponierende 624 Liter. Dabei wollten es die Innenraumgestalter nicht bewenden lassen, sie spielen mit so genannten Magic Seats die Variabilitätsklaviatur: Die Rücksitze lassen sich nicht nur zusammenklappen, um eine ebene Ladefläche zu ergeben, sondern auch hochstellen und zusammenfalten, um beispielsweise problemlos Fahrräder aufrecht einzuparken.
Mit ähnlicher Pfiffigkeit wie die Kofferraumexperten sind Hondas Motorenentwickler derzeit unterwegs. Sie befassen sich im Rahmen des Projekts Earth Dream Technology mit der Kreation neuer Aggregate, deren erster Vertreter jener 1,6-Liter-Vierzylinder-Turbodiesel ist, der neuerdings auf Wunsch den Civic Tourer antreibt. Der Ölbrenner lässt bei tiefer Gaspedalstellung bis zu 120 Pferde frei und entwickelt ein Drehmomentmaximum von 300 Newtonmetern ab 2000 Umdrehungen/Minute. Die Kehrseite dieser glänzenden Leistungsmedaille ist fast ebenso positiv, in der Norm benötigt der Selbstzünder lediglich 3,8 bis 3,9 Liter je 100 Kilometer. Im TT-Test begnügte sich der ausreichend gedämmte, schnell ansprechende und ausdauernd agierende Diesel mit 4,8 Litern je 100 Kilometer, löblich für ein Modell mit mindestens 1,4 Tonnen Eigengewicht.
Ein Teil davon geht auf die Lifestyle-Serienausstattung zurück, die sich mit LED-Scheinwerfern, adaptivem Dämpfersystem, Aluminium-Sportpedalen, Zweizonen-Klimaautomatik, besagten Magic Seats und dem Multimediasystem Honda Connect brüstet. Weitere Zusätze gibt es in Form der gewählten Lackierung Passion Red Pearl (486 Euro), der Navigation (610 Euro) und dem Fahrerassistenzpaket (718 Euro) inklusive Toter-Winkel-Warner, Spurhalteassistenten und Kollisionswarnsystem. All das preist Honda recht fair aus: 30.804 Euro für ein in unseren Breiten leider noch zu unbekanntes Fahrobjekt.
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