Nordkorea droht Südkorea ultimativ mit Militäraktion
Pjöngjang/Seoul (APA/Reuters/dpa) - Der nordkoreanische Machthaber Kim Jong-un hat seine Armee in volle Gefechtsbereitschaft versetzt. Außer...
Pjöngjang/Seoul (APA/Reuters/dpa) - Der nordkoreanische Machthaber Kim Jong-un hat seine Armee in volle Gefechtsbereitschaft versetzt. Außerdem forderte er von Südkorea die Einstellung der Propaganda-Aktionen an der Grenze.
Sollte die Lautsprecher-Beschallung nicht bis Samstagnachmittag (10.00 Uhr MESZ) beendet sein, werde Nordkorea mit Militäraktionen beginnen, heißt es in einem an das südkoreanische Verteidigungsministerium per Brief übermittelten Ultimatum, in dem ein „Quasi-Kriegszustand“ erklärt wird.
Angesichts der neuen Drohungen aus Nordkorea warnte Südkorea das Nachbarland eindringlich vor neuen Provokationen. In einer Botschaft an den Nachbarn habe Südkorea deutlich gemacht, auf jede Art von Angriff resolut zu antworten, erklärte das Verteidigungsministerium in Seoul am Freitag.
Der stellvertretende Verteidigungsminister Südkoreas, Baek Seung Joo, sagte, er rechne mit Angriffen auf jene elf Stellen an der entmilitarisierten Zone, wo die Lautsprecher installiert seien. Die Zone trennt beide Staaten seit dem Ende des Koreakrieges 1953.
Die Lage an dem Grenzstreifen eskalierte am Donnerstag mit dem Beschuss eines Lautsprechers durch Nordkorea. Die südkoreanische Armee erwiderte das Feuer.
Sie hatte die Propaganda-Aktionen am 10. August begonnen, nachdem bei der Explosionen von Minen an der Grenze zwei südkoreanische Soldaten verletzt worden waren. Baek sagte im Parlament, die Propaganda-Beschallung werde fortgesetzt, bis Nordkorea sich für den Zwischenfall entschuldige. Die Führung des Nordens erklärte, sie sei dafür nicht verantwortlich.
Allgemeine Drohungen Nordkoreas sind nicht selten angesichts der seit Jahrzehnten bestehenden Feindschaft beider Staaten. Die Formulierungen und die klare Zeitvorgabe des Ultimatums seien aber ungewöhnlich, sagte der Nordkorea-Experte John Delury von der Yonsei-Universität in Seoul. Auch die Übermittlung der Drohung an das Verteidigungsministerium in Seoul über einen militärischen Kommunikationskanal gebe dem Ultimatum eine besondere Note.
2010 hatte Nordkorea eine Insel im Süden beschossen. Damals benutzte das Land der Nachrichtenagentur Yonhap zufolge eine ähnliche Diktion. Unter Berufung auf südkoreanische Regierungskreise berichtet Yonhap außerdem, es gebe derzeit Anzeichen, dass Nordkorea den Einsatz von Kurzstreckenraketen vorbereite.
Die USA forderten Nordkorea zur Zurückhaltung auf. Sie haben neben den dauerhaft stationierten Truppen gegenwärtig zusätzliche Soldaten für ein Manöver mit Südkorea im Land. Angesichts dessen wäre dies kein günstiger Zeitpunkt für Nordkorea, eine militärische Auseinandersetzung zu riskieren, sagte Daniel Pinkston von der International Crisis Group.
Japan rief Nordkorea angesichts der zunehmenden Spannungen auf der koreanischen Halbinsel zu Zurückhaltung auf. Japan sei sehr besorgt über die dortige Lage, sagte Regierungssprecher Yoshihide Suga am Freitag in Tokio zu Journalisten.
(Grafik 0967-15, Format 88 x 150 mm)
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