Integration im Bildungsbereich: EU hat Nachholbedarf

Wien (APA) - Die Integration von Nicht-EU-Bürgern in allen Lebensbereichen ist eine der primären Aufgaben im Hinblick auf die Erhaltung des ...

Wien (APA) - Die Integration von Nicht-EU-Bürgern in allen Lebensbereichen ist eine der primären Aufgaben im Hinblick auf die Erhaltung des sozialen Friedens innerhalb der europäischen Gemeinschaft. Wie in vielen anderen Lebensbereichen gelingt sie aber auch auf dem Bildungssektor nach wie vor nicht in ausreichendem Ausmaß, wie eine aktuelle Untersuchung von Eurostat, dem Statistikamt der EU, zeigt.

Generell wiesen im Vorjahr laut Eurostat in der EU mehr als 40 Prozent der Nicht-EU-Bürger im Alter zwischen 18 und 64 Jahren ein niedriges Bildungsniveau auf, während sich dieser Anteil sowohl für die jeweiligen Staatsbürger als auch für Bürger eines anderen EU-Mitgliedstaats auf rund 25 Prozent belief. Beim Anteil der Bevölkerung mit hohem Bildungsstand fielen die Abweichungen geringer aus: Er lag bei den Nicht-EU-Bürgern bei 23,0 Prozent gegenüber 27,3 Prozent bei den Staatsbürgern der jeweiligen Länder und 31,0 Prozent bei den Bürgern aus anderen EU-Mitgliedstaaten.

Insbesondere der Anteil junger Nicht-EU-Bürger, die frühzeitig aus der Schule oder einer Ausbildung ausscheiden, ist der Untersuchung zufolge mehr als doppelt so hoch wie der entsprechende Anteil bei der einheimischen Bevölkerung. Einer von vier Nicht-EU-Bürgern (25,5 Prozent) im Alter von 18-24 Jahren hat in der EU den Bereich der allgemeinen und beruflichen Bildung vorzeitig verlassen; demgegenüber waren es 10,2 Prozent bei den Staatsbürgern und 19,2 Prozent bei den Bürgern eines anderen EU-Mitgliedstaats im Meldeland. In Österreich ist dieses Verhältnis laut Eurostat noch ausgeprägter: 5,7 Prozent „drop-outs“ unter den einheimischen Jugendlichen stehen 14,9 Prozent bei Migranten gegenüber, wobei jene aus anderen EU-Staaten mit 11,1 noch deutlich besser abschneiden als Nicht-EU-Bürger mit sogar 18 Prozent.

Die „NEET“-Quote (Not in Education, Employment or Training) entspricht dem Anteil der 15-24-Jährigen, die weder erwerbstätig sind noch eine weiterführende schulische oder berufliche Ausbildung absolvieren. Im Jahr 2014 war die NEET-Quote in der EU bei den Nicht-EU-Bürgern deutlich höher (20,6 Prozent) als bei den Staatsbürgern (12,0 Prozent) und auch bei den Bürgern anderer EU-Mitgliedstaaten (15,5 Prozent) im Meldeland. Zusätzlich interessant: Während die NEET-Quote unter Staatsbürgern bei Männern und Frauen nahezu gleich ist, zeigt sich bei ausländischen Bürgern ein beträchtliches Gefälle, wobei die Quote der Frauen deutlich über derjenigen der Männer liegt.

Vorhanden, aber weniger ausgeprägt ist das Gefälle im Bereich der höheren Bildung: Mit der Strategie Europa 2020 wird unter anderem angestrebt, dass bis 2020 mindestens 40 Prozent der 30- bis 34-Jährigen in der EU über einen Hochschulabschluss verfügen. Im Jahr 2014 betrug laut Eurostat der Anteil der Nicht-EU-Bürger in der Altersgruppe der 30- bis 34-Jährigen in der EU, die über einen solchen „tertiären“ Bildungsabschluss verfügen, 30,2 Prozent. Demgegenüber kamen sowohl die Staatsbürger mit einem Anteil von 38,5 Prozent als auch die Bürger anderer EU-Mitgliedstaaten mit einem Anteil von 39,3 Prozent näher an das Europa-2020-Ziel heran. Hier liegt Österreich ziemlich exakt im EU-Mainstream. In allen drei Gruppen lag der Anteil der tertiären Bildungsabschlüsse bei den Frauen deutlich höher als bei den Männern, bei den Nicht-EU-Bürgern allerdings in geringerem Ausmaß.