Griechenland nach Tsipras-Rücktritt

Revolte in Syriza-Partei: Ehemalige Vertraute sägen an Tsipras Stuhl

Der zurückgetretene Premier Alexis Tsipras.
© ANA-MPA

Nach seinem Rücktritt als Regierungschef muss Alexis Tsipras auch um den Vorsitz seiner gespaltenen Partei bangen. Vor allem drei ehemalige Vertraute dürften eine zentrale Rolle spielen.

Athen - Der Bruch zwischen dem griechischen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras und zahlreichen Parlamentariern seiner linken Syriza-Partei scheint komplett. Knapp ein Drittel der 149 Syriza-Abgeordneten hat sich gegen die von Tsipras gebilligten Bedingungen der internationalen Gläubiger für ein drittes Hilfspaket ausgesprochen.

Mit der vermutlich im September stattfindenden Neuwahl will Tsipras seine Macht festigen. Doch es sind vor allem drei ehemalige Vertraute von Tsipras, die nun gegen seine Führung rebellieren. Bei den sich zuspitzenden politischen Querelen dürften sie eine zentrale Rolle spielen:

PANAGIOTIS LAFAZANIS:

Von dem ehemaligen Energieminister kam der erste Vorstoß: In der vergangenen Woche rief er zur Bildung einer nationalen Bewegung gegen den Sparkurs auf. Diese Forderung wurde als Keimzelle für eine sich abspaltende Partei gewertet, welche diejenigen vereint, die von Tsipras‘ Kurswandel hinsichtlich einer Einigung mit den Gläubigern enttäuscht sind. Am Freitag kündigten zunächst mindestens 25 Syriza-Abweichler an, eine Bewegung namens „Volksunion“ zu gründen - unter Führung von Lafazanis.

Der ehemalige griechische Energieminister Panagiotis Lafazanis.
© EPA/ORESTIS PANAGIOTOU

Mit ranghohen Syriza-Mitgliedern im Schlepptau hatte Lafazanis zuletzt die Anzahl seiner öffentlichen Auftritte in Athen und anderswo erhöht, die nach Aussage eines Parteimitglieds „stark an den Beginn einer Kampagne erinnern“.

Lafazanis ist Mathematiker und kommt aus den Reihen der Kommunistischen Partei sowie des Widerstands gegen die bis 1974 herrschende Militärjunta. Der bisher von ihm angeführte linke Syriza-Flügel gilt als der radikalste der Partei. Er steht dem Euro skeptisch gegenüber und befürwortet die Rückkehr zur Drachme.

Vor der wichtigen Parlamentsabstimmung über das dritte Hilfspaket warnte Lafazanis Tsipras davor, ihn und seine Anhänger herauszufordern: „Er möchte uns unserer Sitze im Parlament berauben? Lasst ihn das nur tun“, erklärte Lafazanis.

ZOE KONSTANTOPOULOU:

Die Parlamentspräsidentin gilt als angriffslustig und hat wiederholt ihre Ablehnung der Sparmaßnahmen zum Ausdruck gebracht. Dabei wies sie stets darauf hin, dass sie sich nicht gegen die griechische Regierung, sondern gegen das neue Hilfspaket wende, das sie als „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ bezeichnete und das zu einem „sozialen Völkermord“ führen könne. Zuletzt erklärte sie mit Blick auf Tsipras, sie könne keinen Regierungschef mehr unterstützen, „der sich den Kohorten seiner Vorgänger angeschlossen hat“ und seine „Mitstreiter den Hunden vorwirft“.

Die griechische Parlamentspräsidentin Zoe Konstantopoulou.
© EPA/ORESTIS PANAGIOTOU

Die 38-jährige Anwältin ist die jüngste Politikerin, die jemals den Posten des Parlamentspräsidenten innehatte. Ausgebildet wurde Konstantopoulou an renommierten Hochschulen in Griechenland, Frankreich und den USA. Sie ist zugleich die Tochter von Nikos Konstantopoulou, einem angesehenen Anwalt, der von 1993 bis 2004 einer Syriza-Fraktion vorstand. Ihre direkte Art und ihre Offenheit haben ihr sowohl Lob als auch Kritik eingebracht, während ihr oft energisches Eingreifen auch Rufe nach ihrem Rücktritt nach sich zog.

YANIS VAROUFAKIS:

Der umstrittene Ex-Finanzminister votierte mit Nein gegen die neuen Griechenland-Hilfen. In jüngsten Interviews zeigte sich der Politiker, der sich selbst als „erratischen Marxisten“ bezeichnet, enttäuscht, dass Tsipras keine härtere Linie gegenüber den Gläubigern vertreten habe. Nach dem Nein zu neuen Sparmaßnahmen in der Volksabstimmung vom 5. Juli war der für seine Rockstar-Allüren bekannte Politiker vom Amt des Finanzministers zurückgetreten und hatte den Gläubigern „Terrorismus“ vorgeworfen.

Der umstrittene griechische Ex-Finanzminister Gianis Varoufakis.
© REUTERS

Obwohl er sich als Mann aus dem Volk gibt, ist sein Hintergrund alles andere als gewöhnlich. Varoufakis ging auf eine Eliteschule, sein 90 Jahre alter Vater führt noch immer einen der größten Stahlkonzerne in Griechenland. Für Aufsehen sorgte Varoufakis unter anderem mit seinen Auftritten in Lederjacke und losem Hemd bei EU-Gipfeln.

Varoufakis gehört nicht mehr der Syriza-Partei an. Er kündigte zudem an, seinen Parlamentssitz abzugeben, sollte er von der Partei dazu aufgefordert werden. (APA/AFP)