19 Jahre Haft für Messerattacke auf Journalisten in Hongkong
Hongkong (APA/AFP) - Eineinhalb Jahre nach einer Messerattacke auf einen chinakritischen Journalisten in Hongkong sind die beiden Angreifer ...
Hongkong (APA/AFP) - Eineinhalb Jahre nach einer Messerattacke auf einen chinakritischen Journalisten in Hongkong sind die beiden Angreifer zu 19 Jahren Haft verurteilt worden. Die Richterin Esther Toh sprach am Freitag von einer „kaltblütigen“, „sinnlosen“ und „dreisten“ Attacke. Die beiden 39-Jährigen hätten den Journalisten Kevin Lau aus Geldgier niedergestochen und nach der Tat keinerlei Reue gezeigt.
Eine Geschworenenjury hatte die beiden Angeklagten bereits in der vergangenen Woche wegen schwerer Körperverletzung schuldig gesprochen.
Die beiden Männer hatten Lau im Februar 2014 am helllichten Tag mit einem Hackmesser angegriffen und waren anschließend mit einem Motorrad geflüchtet. Der Journalist war bei dem Angriff lebensgefährlich verletzt worden und ist immer noch in physiotherapeutischer Behandlung. Lau werde die physischen und psychischen Narben „sein Leben lang mit sich herumtragen“, sagte die Richterin. Die beiden Angreifer seien nach der Attacke „kaltblütig“ einkaufen gegangen. Es sei „gruselig“, die beiden lächelnd und entspannt auf einem Überwachungsvideo aus dem Einkaufszentrum zu sehen.
Lau ist der frühere Chefredakteur der Zeitung „Ming Pao“, die für ihre Investigativrecherchen bekannt ist. Einen Monat vor der Attacke wurde er abgesetzt und durch einen chinafreundlichen Journalisten ersetzt. Die Richterin sagte, es sei nicht erwiesen, ob Lau angegriffen worden sei, weil er Journalist ist. Pressevertreter müssten in Hongkong aber genauso sicher sein wie andere Bürger. Hongkong habe „das Glück, eine freie Presse zu haben“, fügte sie hinzu.
Das Motiv der Angreifer konnte in dem Prozess nicht eindeutig geklärt werden. Es ist auch unklar, wer die Attacke in Auftrag gegeben und bezahlt hat. Lau fordert, die Hintermänner ausfindig zu machen. Die beiden Angeklagten hatten im Prozess auf nicht schuldig plädiert. Sie gaben an, in der Haft in China geschlagen worden zu sein, um ihnen ein Geständnis abzupressen.
Die britische Kronkolonie Hongkong war 1997 nach dem Prinzip „Ein Land, zwei Systeme“ an die Volksrepublik China übergeben worden. Dabei wurden Hongkong Freiheiten und Rechte garantiert, die es in Festlandchina nicht gibt. Peking übt in Hongkong aber eine weitgehende politische Kontrolle aus.
Kommentare