Traumsommer in Tirol heizt Debatte um Preise an
Zur Halbzeit weist der Tiroler Tourismus ein Nächtigungsplus von sieben Prozent auf. Wertschöpfungseffekte werden aber als gering eingestuft.
Innsbruck –Der Sommertourismus in Tirol steuert heuer auf eines seiner besten Ergebnisse in der Geschichte zu. Das liege nicht nur am makellosen Wetter im Juli, erklären die Touristiker. Über den wirtschaftlichen Wert der steigenden Nächtigungszahlen herrscht jedoch Unklarheit.
Mehr als 2,5 Millionen Gästeankünfte (+10,3 Prozent zum Vorjahr) und knapp 8,9 Millionen Nächtigungen (+7 Prozent) von Mai bis Juli 2015 bedeuten einen kräftigen Zuwachs zur Halbzeit der Sommersaison für die Tiroler Tourismusbetriebe. Alleine im Juli verzeichnete man ein Nächtigungsplus von 9,6 Prozent. Fast alle großen Ferienregionen weisen kräftige Zuwächse auf. In Seefeld stiegen die Nächtigungszahlen beispielsweise um ein Viertel im Vergleich zum Sommer 2014. Mayrhofen und Serfaus weisen einen Nächtigungsanstieg von über sechs Prozent auf, Fügen kann ein Plus von einem Fünftel vorweisen.
Vor allem bei unseren nördlichen Nachbarn bleibt Tirol ein beliebtes Urlaubsziel. Mit knapp 4,4 Millionen Nächtigungen (+8,2 %) deutscher Gäste sind sie für rund die Hälfte aller Übernachtungen verantwortlich. An zweiter Stelle der Herkunftsmärkte liegen die Niederlande mit knapp 784.000 Übernachtungen (+7,2 %), gefolgt von der Schweiz mit 664.000 (+4,7 %). Aber auch bei den Fernmärkten erfreut sich Tirol als Sommerurlaubsziel größerer Beliebtheit. Mit über 119.000 haben sich die Nächtigungen chinesischer Gäste im Vergleich zum Vorjahr beinahe verdoppelt (+78,7 %), auch die Zahl der Nächtigungen von US-Amerikanern legte deutlich zu (+15,5 %).
Der starke Anstieg von Gästen aus Fernmärkten sei ein Zeichen dafür, dass die Alpen und insbesondere Tirol als Ferienregion immer attraktiver werden, unabhängig vom Wetter, erklärt Andreas Lackner vom Tourismusverband Mayrhofen. „Gäste aus fernen Ländern buchen früher, da spielt das Wetter noch keine Rolle“, sagt Lackner. Zudem würden verschiedene Veranstaltungen in den Ferienregionen laut Lackner für volle Betten sorgen und teilweise auch die verkürzte Aufenthaltsdauer erklären.
Trotz der positiven Entwicklung warnen Touristiker davor, Ankünfte- und Nächtigungszahlen überzubewerten. „Natürlich sind die Zahlen erfreulich, aber die Situation ist angespannt“, spricht Franz Hörl, der Obman der Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft, die geplante Mehrwertsteuererhöhung, Rauchverbot in der Gastronomie und die Allergenverordnung an. Er fordert von der Regierung, Zusagen für Steuererleichterungen umzusetzen. Für die sinkende Wertschöpfung im Sommertourismus sei laut Hörl aber nicht die Politik alleine verantwortlich. „Die Hoffnung, dass neben mehr Nächtigungen und Ankünfte auch die Preise steigen, stirbt zuletzt“, sagt Hörl.
Dem will Lackner nicht völlig zustimmen: „Über die Preisgestaltung allgemein kann ich keine Auskunft geben, aber auch qualitativ hochwertige und höherpreisige Unterkünfte sind sehr gut gebucht.“
Von Mai bis Juli werden erfahrungsgemäß 44 Prozent der Nächtigungen im Sommertourismus erzielt, aber auch für den wichtigen Monat August orten die Touristiker eine Bestätigung des Trends. „Die Buchungslage im August sieht sehr gut aus“, sagt Karl Gostner vom TVB Innsbruck und seine Feriendörfer. Die ebenfalls deutliche Zunahme der Nächtigungen im Innsbrucker Raum (+10 %) führt er unter anderem auf die steigende Beliebtheit des Shopping-Tourismus zurück. „Wir brauchen keine höheren Preise sondern mehr Betten“, sagt Gostner. (ecke)
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