Frequency - Irie Revoltes als nicht ganz geheimer Geheim-Headliner

St. Pölten (APA) - Sie sind zwar nicht als Headliner zum Frequency Festival gekommen, aber Irie Revoltes waren so etwas wie der Nachmittagsh...

St. Pölten (APA) - Sie sind zwar nicht als Headliner zum Frequency Festival gekommen, aber Irie Revoltes waren so etwas wie der Nachmittagshauptakt. Dem Geheimtipp-Status ist das Heidelberger Soundkollektiv längst entwachsen, sensationell war die Darbietung und die Stimmung: Die Mischung aus zahlreichen Genres kam ebenso an wie die Antifa-Botschaften der Gruppe um die Brüder Carlos und Pablo Charlemoine.

Iries Revoltes werden gerne als perfekte Festivalband bezeichnet. „Das ist wie ein Ritterschlag“, meinte Carlos im Interview mit der APA. „Das haben wir ja nicht selbst erfunden, aber es wird oft in Berichten über uns geschrieben. Viele Festivalbetreiber wissen mittlerweile, dass es abgeht, wenn man uns bucht, weil diese Kombination aus positiver Energie und politischen Inhalten die Leute mitreißt. Das funktioniert bei allen Genres, egal ob Indie-, Rock-, Pop- oder Reggae-Festival.“

Hip-Hop, Reggae, Dancehall, Ska und elektronische Musik ist im Sound von Iries Revoltes ebenso enthalten wie ein Schuss Rock („es gibt ja auch Punk-Fans in unserer Band“). Ergeben hat sich das auf natürliche Weise: „Es gab kein Konzept, weil wir uns nicht krass Gedanken über Genres gemacht haben“, sagte Pablo. „Wir wollten Musik machen, und uns war klar, dass wir als Kollektiv arbeiten wollten, also dass jede Person in der Gruppe einen Input bringt. Reggae und Hip-Hop war der gemeinsame Faktor, aber sonst wussten wir nicht, was da rauskommt.“

Über das aktuelle, schlicht „Irie Revoltes“ betitelte Album meinte Carlos: „Musikalisch haben wir eine Veränderung gegenüber dem rocklastigeren Vorgänger ‚Allez‘ gemacht, weil wir wieder mehr zu den Beats zurück, aber uns nicht wiederholen wollten. Wir haben den Einfluss der vergangenen 15 Jahre mithingenommen, aber auch viel Neues ausprobiert.“

Genauso wichtig wie die Musik ist der Band die Botschaft. Gegen rechte Strömungen und Ausländerfeindlichkeit hat man Stellung bezogen. Nach dem Song „Antifaschist“ nahmen die Heidelberger von der Bühne herab klar Stellung: „In den 90ern haben Asylheime gebrannt, jetzt brennen wieder Asylheime. Nur weil die Politik nicht menschlich handelt. Kein Platz für Rassismus!“ Das Publikum reagierte mit tosendem Beifall. „Man kann schwer messen, wie viele Leute wir zum Nachdenken bringen“, sagte Carlos. „Aber durch das Feedback wissen wir, dass sich Leute nach unseren Konzerten mit Themen beschäftigen, die ihnen vorher gar nicht bewusst waren. Unsere Konzerte gleichen immer einer Art positiver Demo.“

Dabei scheint Politik in der breiten Musik eine immer kleinere Rolle zu spielen. Pablo stimmte dem zu: „Das hat sich seit Mitte der 90er entwickelt, dass die Musik immer unpolitischer wurde, sie immer mehr zum Spaßfaktor verkommen ist. Spaß ist nicht negativ und auch wichtig, definitiv, aber die politische Ebene, die Menschen zusammenschließen kann, wurde vernachlässigt. Musik kann die Welt nicht verändern, aber Anstöße geben. Umso wichtiger ist es, dass wir laut sind!“

Erstaunlich beim Frequency-Auftritt, wie viele Fans die deutsch-französischen Texte mitsingen konnten. „Wir haben damit, ohne dass wir es wussten, die Leute neugierig gemacht“, schmunzelte Carlos. „Mit unseren Texten muss man sich halt intensiver beschäftigen. Das unterscheidet sich von der ‚im Internet bekomme ich alles sofort serviert‘-Mentalität. Bei uns muss man ein bisschen nachforschen, wenn man kein Französisch versteht. Das ist eine coole Herausforderung, gerade in der heutigen Zeit.“

(S E R V I C E - Irie Revoltes treten am 6. Oktober in der Wiener Arena auf, Infos unter www.skalarmusic.at)