Frequency - Die mit den Wölfen rannten: The Prodigy immer noch bissig
St. Pölten (APA) - Der Nebel wabert, die Bühne ist in rotes Licht getaucht, Keith Flint steht wie ein Hardcore-Punk-Sänger mit einem Bein au...
St. Pölten (APA) - Der Nebel wabert, die Bühne ist in rotes Licht getaucht, Keith Flint steht wie ein Hardcore-Punk-Sänger mit einem Bein auf einem Monitor und brüllt ins Mikro: „Run With The Wolves“. Das sind The Prodigy wie sie Fans seit den 90er-Jahren lieben: bissig. In der Nacht auf Samstag türmten die Briten am Frequency Festivals wieder einmal ihre Breakbeats, Drums, Gitarren und Animationsgesänge auf.
Mastermind Liam Howlett hatte anlässlich der Veröffentlichung des neuen Albums „The Day Is My Enemy“ (Universal) seinen Unmut über Star-DJs laut geäußert, die Datenträger in die Anlage stecken und sich dann auf das Armeschwänken als „Show“ beschränken. Bei The Prodigy gilt live tatsächlich als live: Howlett sampelte, zerstückelte, baute auf, riss nieder, begleitet von Schlagzeug und einer Gitarre, angetrieben von den beiden Animateuren, Tänzern, Sängern und Schreihälsen Flint und Maxim Reality. Ersterer durfte natürlich zündeln („Firestarter“), letzterer die Hits „Breath“, „Voodoo People“ und natürlich „Smack My Bitch Up“ einpeitschen.
Dass die Breakbeat-, Acidhouse-, Techno- und Electronica-Pioniere aus Essex anno 2015 weiter Relevanz haben, bewiesen die neueren („Omen“, „Invaders Must Die“) und ganz neuen Songs im Set. „Nasty“, die musikalische Kriegserklärung an alle Befürworter der Fuchsjagd kam zornig, „Wild Frontier“ rau und eben wild, „Roadblox“ mit einem mächtigen Rhythmus. Im Vergleich zu den zuvor gehörten Beats am Festivalgelände klangen The Prodigy wie ein Gegenentwurf zur aktuellen Danceszene: böse, subversiv, altmodisch wie zeitlos, dreckig und vor allem fordernd und nicht nur berieselnd. Großartig das Finale: Die „Wall Of Death“ ging in „Take Me To The Hospital“ über - wie passend.
Die von Maxim immer wieder angesprochenen „Prodigy-People“ hielten zwar bei gesunkenen Temperaturen wacker durch, voller schien das Gelände vor der Space Stage allerdings zuvor bei Nero (live). Zwei DJs und Sängerin Alana Watson fusionierten Dubstep, Drum and Bass, Electro House und Rave publikumswirksam, untermalt von viel Licht. Die Stimmung unter dem Partyvolk war am Brodeln.
Als Alternative zu den elektronischen Klängen boten sich auf der Green Stage The Offspring an. Zunächst holperte der Punkrock-Express ein wenig, beim Opener „You‘re Gonna Go Far, Kid“ wollte der Sound nicht recht mitspielen. Mit Fortdauer, spätestens bei „Why Don‘t You Get A Job“, ging es dann ordentlich ab - bei Band und Publikum. Rotzige Riffs, satte Drums, dynamischer Gesang: „Want You Bad“ und „Pretty Fly (For A White Guy)“ fetzten. „Fucking amazing“, fasste es Frontman Bryan „Dexter“ Holland zusammen.
Freunde der elektronischen Musik zogen in den Nightpark weiter. Dort herrschte nach dem letzten Klang von The Prodigy bereits reges Treiben.
(S E R V I C E: The Prodigy spielen am 11. November in der Wiener Stadthalle, Info: www.skalarmusic.at)
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