Forum Alpbach jetzt selbst im Fokus der Geschichtsforschung
Alpbach (APA) - Seit 70 Jahren liefert das Europäische Forum Alpbach Anstöße für Politik, Wirtschaft, Technologie und Wissenschaft - nun ist...
Alpbach (APA) - Seit 70 Jahren liefert das Europäische Forum Alpbach Anstöße für Politik, Wirtschaft, Technologie und Wissenschaft - nun ist das Dialogforum in Tirol selbst Gegenstand wissenschaftlicher Forschung. In ihrer soeben im StudienVerlag publizierten Studie „Ein Fenster zur Welt“ blickt Zeithistorikerin Maria Wirth in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Das Buch wird heute, Samstag, präsentiert.
„Ein Fenster zur Welt“ wollte man bei der Gründung des Forums, damals noch als Internationale Hochschulwochen des Österreichischen College, aufstoßen. Für die beiden Initiatoren Otto Molden und Simon Moser sollte es einen ersten intellektuellen Treffpunkt und Schritt zur Erneuerung des geistigen Lebens in Österreich darstellen. Zunächst als einmalige Veranstaltung und Test für ein College in Wien geplant, führte der große Erfolg der ersten Ausgabe in den Tiroler Bergen zur Fortsetzung. Inzwischen sei das Forum „eine fixe Instanz im geistigen Leben Österreichs“ und zu „einer Visitenkarte nach außen“ geworden, konstatiert Wirth in ihrem Buch.
Eine wissenschaftliche Aufarbeitung von Geschichte und Inhalten sei bisher noch ausständig gewesen. Wirth beginnt daher am Anfang und bei den Biografien der beiden Gründer und arbeitet sich - unterstützt von zahlreichen Fotografien - chronologisch bis in die Gegenwart vor. Die „goldenen Jahre“ der 1950er, in denen etwa Erwin Schrödinger und Lise Meitner teilnahmen, werden dabei ebenso thematisiert wie die existenzielle Krise Ende der 1960er-Jahre und der erneute Aufschwung in den 70ern. Dieser brachte mit den Dialogkongressen u.a. eine zweite Programmschiene des Österreichischen Colleges. Innovationen und Krisenerscheinungen wechselten sich in den 1980er-bzw. frühen 1990er-Jahren ab: Erneut stand die Existenz des Forums auf dem Spiel, mit etwa den Technologiegesprächen wurde Alpbach aber auch laufend erweitert und erneuert.
Neben dem historischen Auf und Ab widmet sich Wirth auch den wichtigsten inhaltlichen Programmpunkten, den nationalen und internationalen Teilnehmern und ihrem Einfluss auf das Forum - sowie dem Netzwerk, das sich neben dem Dialoggeschehen entwickelte. Auch die Finanzierung der Alpbacher Veranstaltungen steht im Fokus - ebenso wie die Frage, ob sich die unterschiedlichen Geldquellen auf die Inhalte auswirkten. Dabei stützte sich die Historikerin vor allem auf das Archiv des Forums, aber auch auf zahlreiche Interviews mit Teilnehmern und andere Quellen wie etwa die Nachlässe der beiden Gründer.
Die Besucher wurden im Laufe der Jahre stetig mehr, sprunghaft stieg die Zahl aber vor allem in den Jahren der Präsidentschaft des ehemaligen ÖVP-Vizekanzlers Erhard Busek (ab 2000, 2012 übernahm der ehemalige EU-Landwirtschaftskomissar Franz Fischler). In seine Ära fiel auch die Umbenennung in „Europäisches Forum Alpbach“. Zudem konzentrierte man sich nun vermehrt auf jüngere Teilnehmer sowie jene aus Ost- und Südosteuropa. Diese Zeit bezeichnet Wirth als „neue Blüte“ - der Blick in die Zukunft fällt dementsprechend recht positiv aus: „Der Bedarf an Orten der Wissenserzeugung und -vernetzung bzw. an konkreten Foren für den Austausch zwischen den Generationen und für den interkulturellen bzw. transnationalen Dialog ist angesichts der mannigfaltigen Aufgaben, die sich in nationaler und globaler Perspektive stellen, jedenfalls gegeben“, schreibt die Historikerin.
(S E R V I C E - Maria Wirth, Europäisches Forum Alpbach (Hrsg.): „Ein Fenster zur Welt. Das Europäische Forum Alpbach 1945-2015“, StudienVerlag, 256 Seiten, 34,90 Euro, ISBN: 978-3-7065-5481-7, Buchpräsentation am 22. August, 19.30 Uhr, Erwin-Schrödinger-Saal, Forum Alpbach)
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