Oö. Grüne - Von Fundis zu Realos

Linz (APA) - Die oö. Grünen dürfen sich in ihrer Gesinnungsgemeinschaft als Pioniere bezeichnen: Sie haben als Erste eine schwarz-grüne Land...

Linz (APA) - Die oö. Grünen dürfen sich in ihrer Gesinnungsgemeinschaft als Pioniere bezeichnen: Sie haben als Erste eine schwarz-grüne Landeskoalition gewagt und sind damit ganz gut gefahren. Der Preis für zwölf Jahre harmonische Ehe war, dass sie sich stark auf das realpolitisch Machbare, im Fall Oberösterreich auf die Umweltpolitik, konzentrierten.

1985 kandidierte das Grüne Lager mit der VGÖ erstmals bei der Landtagswahl, erhielt aber nur 2,2 Prozent. 1991 traten sowohl VGÖ als auch GAL an und scheiterten beide. 1997 - bereits unter dem Namen „Grüne“ und schon damals mit dem heutigen Spitzenkandidaten Rudi Anschober - klappte der Einzug (5,8 Prozent). 2003 schaffte man sogar einen Sitz in der Landesregierung und schmiedete mit der ÖVP eine Koalition.

Seit ihrem ersten Antreten sind die Grünen in OÖ kontinuierlich gewachsen, bei der Landtagswahl 2009 erzielten sie mit 78.569 Stimmen 9,2 Prozent. Die Umfragen prognostizieren ihnen diesmal zehn bis zwölf Prozent. Sie sind damit eher vorsichtig. Das erklärte Wahlziel liegt bei „100.000 Stimmen“ und dem Erhalt des Landesrats.

Die Landespartei war jahrelang eine One-Man-Show namens Anschober. Der 54-jährige Steyregger, der nun zum vierten Mal antritt, ist seit zwölf Jahren Umweltlandesrat und zu einem Synonym für den Begriff „Energiewende“ geworden. Erst als er durch ein Burn-out kurzzeitig pausieren musste, stellte man sich breiter auf. Maria Buchmayr übernahm die Parteiführung, ein Leitungsteam für tagespolitische Themen wurde gebildet. Anschober blieb aber dennoch das mediale Zugpferd.

Kritiker meinen, die oö. Grünen seien brav und angepasst, um die ÖVP nicht zu verärgern. Wohlmeinende kontern, man konzentriere sich eben auf das, was geht. Sollten sie je Fundis gewesen sein, haben sie jedenfalls den Turnaround zu den Realos vollzogen. Bei Themen wie GVO-Freiheit, Anti-Atom oder Energiesparen kam man mit dem Regierungspartner ganz gut aus. Manche Themen wurden hingegen eher ausgespart. So waren die Grünen in der Bildungsdebatte lange zurückhaltend, gilt ja die Landes-ÖVP nicht gerade als Reformmotor der schwarzen Schulpolitik, was sich mit dem Grünen Wunsch nach einer Gesamtschule nur schwer verträgt.

In ihrer ersten Regierungsperiode waren die Grünen das Zünglein an der schwarz-roten Waage und damit mächtiger. Selten, aber doch, überstimmten sie ihren Regierungspartner mit der SPÖ. In der jetzigen Periode ist die ÖVP nicht mehr so stark auf sie angewiesen, das spürten die Grünen auch. Bei Themen wie dem Linzer Westring bissen sie sich die Zähne aus. Dennoch wollen sie den eingeschlagenen schwarz-grünen Weg fortsetzen. Mit der Bundespartei ist man derzeit ganz innig.

~ WEB http://www.gruene.at ~ APA039 2015-08-22/08:00