Spitzenwissenschafter warnen vor „Kollaps“ bei Forschungsförderung
Wien (APA) - Vor einem „Kollaps der Forschungsförderung“ warnen heimische Spitzenwissenschafter. Bei der Förderung der wissenschaftlichen Fo...
Wien (APA) - Vor einem „Kollaps der Forschungsförderung“ warnen heimische Spitzenwissenschafter. Bei der Förderung der wissenschaftlichen Forschung herrsche derzeit „Mangelverwaltung und Krisenstimmung“, heißt es in einer Aussendung von Vertretern der Wittgensteinpreisträger, der Spezialforschungsbereiche und der Doktoratskollegs vor den Alpbacher Hochschul- und Technologiegespräche in der kommenden Woche.
Zudem wandten sich laut einem Bericht des „Standard“ (Samstag-Ausgabe) die 53 Mitglieder des Kuratoriums des Wissenschaftsfonds FWF, die alle selbst Wissenschafter sind, in einem Brief an Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ), Wissenschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) und Finanzminister Hans Jörg Schelling (ÖVP) und beklagen darin die finanzielle Ausstattung des für die Förderung der Grundlagenforschung zuständigen FWF. Sie sprechen im Zusammenhang mit dem geplanten Mehrjahresprogramm für den Fonds von „Mangelverwaltung“.
Im Vorjahr hat der FWF ein Volumen von 211,4 Mio. Euro für 691 Projekte bewilligt. Für die Jahre 2016 bis 2018 wurden dem FWF seitens des Wissenschaftsministeriums im Bundesfinanzrahmen 552 Mio. Euro zugesichert, das sind im Schnitt 184 Mio. Euro pro Jahr. Damit hat der Fonds, der in der Vergangenheit nur die Hälfte seiner Mittel im Bundesbudget festgeschrieben hatte, zwar ein stabiles Budget. Angesichts des Wachstums des Antragsvolumens sinken die Bewilligungsquoten aber kontinuierlich und der FWF muss die Förderung von Programmen mit längerfristiger Mittelbindung wie Doktoratskollegs einstellen.
Die Physikerin Ulrike Diebold als Vertreterin der Wittgensteinpreisträger, der Genetiker Mathias Müller als Vertreter der Spezialforschungsbereiche und der Informatiker Helmut Veith als Vertreter der Doktoratskollegs bezeichneten die Vorgänge in den letzten FWF-Kuratoriumssitzungen, in denen über die Vergabe von Förderungen entschieden wird, als „grausam“. So sollen Exzellenzprogramme wie Spezialforschungsbereiche und Doktoratskollegs eingestellt oder stark beschnitten werden. Zudem müssten zahlreiche Forschungsprojekte, die von internationalen Gutachtern zur Förderung empfohlen wurden, aus finanziellen Gründen abgelehnt werden.
„Damit blutet Österreichs Wissenschaftsbetrieb aus: die Spitzenforschung kann ihr Potenzial nicht nutzen und der wissenschaftliche Nachwuchs bleibt chancenlos“, heißt es in der Aussendung der Spitzenforscher. Die rund 200 Mio. Euro, die der FWF derzeit zur Finanzierung der Grundlagenforschung in Österreich pro Jahr bewilligen kann, seien „nicht einmal zwei Prozent von den insgesamt 10,1 Mrd. Euro“, die jährlich in Österreich für Forschung und Entwicklung aufgewendet werden können.
„Die angewandte Forschung und die Innovationspolitik der österreichischen Regierung stehen damit auf tönernen Füßen“, betonen die Wissenschafter unter Hinweis auf die Bedeutung der Grundlagenforschung für Innovation. Internationale Beispiele würden zeigen, dass führende Innovationsländer wie die Schweiz Staaten mit ausgezeichneter wissenschaftlicher Grundlagenforschung seien.
Aus Sicht der FWF-Kuratoriumsmitglieder fehlen mindestens 70 Mio. Euro pro Jahr. So viele förderungswürdige, aber nicht finanzierte Anträge gebe es jährlich. Die Vertreter der Wittgensteinpreisträger, der Spezialforschungsbereiche und der Doktoratskollegs fordern zusätzlich 100 Mio. Euro pro Jahr für den FWF. Damit „könnte der drohende Kollaps der Förderung der Grundlagenforschung in Österreich verhindert und die Spitzenwissenschaft in Österreich stabilisiert werden“.
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